Scientology`s besonderer Hass auf ihre „medialen Aussteiger“!

Ein Bericht von

Jörg Stolzenberger

Aufklärungsgruppe Krokodil

28.02.2019

 

Es gibt genügend Beispiele dafür, dass Aussteiger aus der Scientology-Organisation von ihrer eigenen Organisation nicht besonders geschont werden.

Insbesondere die sogenannten „medialen Aussteiger“ sind der Organisation ein Dorn im Auge.

Und dies deshalb, weil sie sich nicht, wie viele andere Ausstieger im Hintergrund verstecken, sondern weil Sie sich wehren, dass Üble was ihnen widerfahren ist, der Öffentlichkeit offenbaren und die Organisation dafür anklagen.

So ging es dem hochkarätigen SO-Aussteiger Mike Rinder, ehemaliger Chef des Scientology-eigenen Geheimdienstes „Office of Special Affairs“, und ehemalige Bulldogge des Scientology-Chefs David Miscavige. Mike Rinder bekämpfte alle die gegen das Scientologische System waren und verbiss sich in Aussteiger und Kritiker, die er auch mal, Auge in Auge als „NAZIS“ und „LÜGNER“ beschimpfte.

 

Bilder oben: Mike Rinder zur Zeit als er noch Director des „Office of Special Affairs“ war

 

Er war der Verfechter des Scientologischen Rechts. Nach seinem Ausstieg hat er vieles bereut und macht sich daran gegen die Organisation öffentlich aufzuklären. Er hat einen eigenen Anti-Scientology Blog und begleitet Leah Remini in ihren Dokumentationen zu verschiedensten SO-Aussteigern.                                                                                                Scientology spart seither nicht damit ihn öffentlich zu diffamieren.

Das aktuellste Beispiel einer „medialen Aussteigerin“ ist das von der amerikanischen Sitcom-Schauspielerin Leah Remini.

Bild oben: Kevin James (l.) und Leah Remini (r.) als Dog und Carrie Heffernan in der Sitcom „King of Queens“. Quelle: ABC

 

Viele Jahre war Leah Remini in der Scientology-Organisation und hatte sich völlig mit Scientology identifiziert.

Seit ihrem Ausstieg im Jahr 2013 und ihrer öffentlichen Kritik  auf www.leahreminiaftermath.com und mit ihren Aufklärungsfilmen über Scientology, in denen sie auch andere Scientology-Aussteiger zu Wort kommen lässt, wird sie von der Organisation nur noch als lästig angesehen.

Die Scientology-Kirche Hamburg e.V. und dessen Schreiber Frank Busch, veröffentlichte im Jahr 2017 eine erste Schmähschrift mit dem Titel „Stellungnahme zu Leah Remini und ihre Lügenmärchen über Scientology“. (1)

Frank Busch prägt hier schon den Begriff „mediale Aussteiger“ und schreibt über das ehemalige SO-Mitglied Leah Remini:

„Es handelt sich um den „medialen Aussteiger“, das ist der Aussteiger, der sich die Medien zunutze macht, um von seinen eigenen Verfehlungen abzulenken und seine ehemalige Religionsgemeinschaft mit Schmutz und Unwahrheiten zu überfluten. Da das Nachrichtenmuster der Medien in erster Linie darauf aufgebaut ist, möglichst viele entsetzliche Geschichten zu produzieren – da man glaubt, dass der Leser dies so haben will – und nur schlagzeilenträchtige Aufmacher die Auflage oder Einschaltquote erhöhen, wird diesen „medialen Aussteigern“ bereitwillig eine Plattform gegeben. So verhält es sich auch mit Leah Remini, von der in Deutschland kaum jemand wusste, dass sie Scientologin gewesen ist, und auch wenn man es gewusst hätte, wäre ihre Meinung zu Scientology auch nicht interessant gewesen, und man hätte ihr auch kaum geglaubt, denn sie sprach ja positiv über Scientology. Von dem Zeitpunkt jedoch wo sie zur Ex-Scientologin geworden ist, wird ihr der rote Teppich ausgebreitet, es wird ihr alles geglaubt was sie sagt, auch wenn es der größte Unsinn ist.“ (..) (1)

Hier zeigt sich der wahre Scientologe: Kritik wird nicht geduldet und selbst der ehemalige Freund wird so zum Feind.

Frank Busch von Scientology Hamburg geht noch einen Schritt weiter:

„Die kurze Wahrheit über Leah Remini ist, dass sie als Scientologin gescheitert ist und nicht in der Lage war, die hohen ethischen Standards, die von einem Mitglied erwartet werden, einzuhalten. Sie ist dann zu einer kleinen Clique von Ex-Scientologen übergelaufen, die alle wegen grober Verstöße gegen kirchliche Richtlinien schon vor vielen Jahren ausgeschlossen wurden. Alle diese Ex-Scientologen verfolgen ihre eigenen Ziele. Kaum einer von Ihnen ist in der Lage, sich seinen Lebensunterhalt mit einem normalen Job zu verdienen, wie es Millionen von Menschen auf der ganzen Welt machen. Was also bleibt übrig? Sie nutzen das riesige Interesse an Scientology, um mit Horrorgeschichten – ungeachtet ihrer Unwahrheit – über ihre ehemalige Religionsgemeinschaft Geld zu verdienen – denn nur diese sind für Medien interessant.“ (1)

  

Bilder oben: Screenshots aus der Schmähschrift der Scientology Hamburg e.V. und Frank Busch über Leah Remini

 

Was die Scientology-Organisation unterschlägt sind folgende kleine Details über „King of Queens“- Star Leah Remini:

Der Stiefvater ließ seine Ehefrau mit zwei Töchtern sitzen. Scientology schien für alle der sichere Hafen.

Leah war seit 35 Jahren der Scientology-Organisation treu ergeben.

1982 finden sich Leahs erste Kursabschlüsse in der Scientologischen Promi-Zeitschrift „CELEBRITY“.

Die beiden Schwestern sind zeitweise in der SEA-Organisation der uniformierten Elite der Organisation. Etwa Mitte der 80er ziehen die Mutter und Töchter nach East-Hollywood.

1990 wird in der „CELEBRITY“ der Nachweis über ihren „CLEAR-Status“ und ihr „Sunshine Rundown Auditing“ belegt. (2)

Bild oben: CELEBRITY Nr. 240 aus 1990 Deckblatt

 

Bereits im Jahr 2000 steht Leah Remini auf der „Honor Roll“ (Ehrenliste) der „Internationalen Vereinigung der Scientologen“ (IAS).                                                  Der Status „Honor Roll“ wird jemanden verliehen, der 20 Leuten geholfen hat, IAS-Mitglied zu werden oder 20.000 US-Dollar gespendet hat. (3)

2002 wird in einer anderen Scientology-Broschüre, der ADVANCE, über Leahs Vorbereitungen zu einem „Operierenden Thetan“  (OT) und ihrer Zulassung zu den OT-Stufen berichtet. (4)

In Europa, in den USA und auch anderswo war die bislang höchste erreichbare Stufe die eines „Operierenden Thetan“ in der Stufe 8 (OT VIII).

Obwohl auf der Gradskala der scientologischen „Brücke zur Freiheit“ auch schon der OT 15 aufgeführt war, wurde eine höhere OT-Stufe nie erreicht.

 

Bilder oben: Die scientologische „Brücke zur Freiheit“ (links Auszug)

 

Im Jahr 2002 steht Leah Remini für die Scientology-Organisation noch hoch im Kurs.

In der SO-Zeitschrift CELEBRITY gibt Sie ein ausführliches Interview auf mehreren Seiten. Im Vorfeld des Berichts wird mitgeteilt, dass Leah Remini in Bensonhurst, Brooklyn, geboren wurde und im Alter von 13 Jahren nach Los Angeles zog. „Seit ihrer Kindheit war sie eine professionelle Schauspielerin“, so wird sie gelobt und es werden Beispiele ihrer filmischen Leistungen aufgeführt. (5)

CELEBRITY fragt auch nach ihrer Mutter, welche „dabei geholfen hat“ das Leah mit Scientology beginnen konnte.

Leah teilt in dem Interview mit, dass sie der Meinung ist,  ihre Mutter habe ihr und ihrer Schwester „das Leben gerettet, indem sie uns in Scientology integrierte“.

Bilder oben: CELEBRITY Nr. 342/2002 Deckblatt und  Auszüge aus dem Interview von Leah Remini

 

In den Jahren 2002-2003 arbeitet sich Leah die OT-Stufen hoch. Die scientologische ADVANCE zeigt Einträge von OT I bis OT V. (6)

In diesen Jahren spendet sie an die Internationale Vereinigung der Scientologen (IAS) Beiträge von 40.000 US-Dollar und erhält dafür die Auszeichnung eines „Patrons der IAS“. (7)

2003 heiratete Leah Remini den Prominenten Scientologen Angelo Pagan. Mit ihm hatte sie ein Jahr später eine Tochter.

In den Folgejahren 2004-2005 hält Sie ihren Patron-Status.

Im Jahr 2006 wird Leah zusammen mit Angelo Pagan in einer Ausgabe der IMPACT, herausgegeben von der Internationalen Vereinigung der Scientologen, als Spender im Status GOLD-MERITORIOUS vorgestellt.                                                                            Somit haben sie 1 Million US-Dollar in die sogenannte Kriegskasse der Scientology gespendet. (8)

 

Bilder oben: Ausgabe Impact Nr. 113/2006 und Auszug Seite 50

 

Das frühere Mitglied der Sea Org, Mike Rinder, bloggte, dass Leah Remini bei Tom Cruise und Katie Holmes ‚Hochzeit 2006 nachgefragt hat, wo denn Scientology-Führers                  David Miscaviges Frau Shelly war. Der ehemalige Leiter des Celebrity Center des Scientology Center, Tommy Davis, schalt sie: „Sie haben nicht den Rang, um nach Shelly zu fragen.“(9)

Berichten zufolge wurde Frau Miscavige seit 2007 nicht mehr in der Öffentlichkeit gesehen und es ranken sich viele Gerüchte über ihren Aufenthalt.  Die Aufklärungsgruppe Krokodil berichtete darüber.

Nun folgten Scientology-interne Untersuchungen innerhalb der Remini-Family.

Leah war hin- und her gerissen. Einerseits versuchte sie sich mit der Organisation wieder gut zu stellen andererseits war die Saat des Zweifels bereits aufgegangen.

2013 verließ Leah Remini die Organisation und veröffentlichte danach ihre Geschichte und ihre Ansichten in dem Buch „Troblemaker-Wie ich Hollywood und Scientology überlebte!“  Sie sah dies als Selbsthilfe zur Verarbeitung des Erlebten.

Leah Remini hatte Angst ihre Familie nicht mehr zu sehen wenn sie die Organisation verlässt. Sie meinte hiermit den sogenannten „Trennungsbefehl“ den Scientology-Angehörige gegenüber Ausssteigern und Kritikern bekommen. (10)

Scientology sagte gegenüber ABC News, die Trennung sei freiwillig und „soll den Mitgliedern helfen, sich aus missbräuchlichen und feindseligen Beziehungen zu entfernen.“ (10)

Aber zu Reminis Erleichterung unterstützten ihre Mutter Vicki und der Rest ihrer Familie ihre Entscheidung und verließen die Kirche mit ihr. Die Tatsache, dass ihre Familie mitgekommen ist, bedeutet „alles“, sagte Remini. (10)

Bild oben: Leah Reminis Buch „Troublemaker“

 

Inzwischen fordern Leahs Anwälte wegen „früherer, aktueller und fortlaufender Rufschädigung und den dadurch entstandenen emotionalen und wirtschaftlichen Schaden“ eine Entschädigung von 1,5 Millionen Dollar. 

Bild oben: Auszug aus der Zeitschrift PAgeSix: 1,5 Millionen Forderung

 

Scientology behauptet, Remini aus ihrer Gemeinschaft ausgeschlossen zu haben, lehnt diese Schadensersatz-Forderung strikt ab. Der Anwalt von Scientology, Gary Soter nannte die Klage lächerlich und und eine „provokative Masche, Aufmerksamkeit zu erzeugen.“ (11)

Als Scientologin ist Leah Remini also „gescheitert“, so schrieb der Scientologe Frank Busch für Scientology Hamburg und Sie ist „nicht in der Lage gewesen, die hohen ethischen Standards, die von einem Mitglied erwartet werden, einzuhalten“, so bemerkte Frank Busch. Das Geld der Promi-Scientologin kam aber der Scientology-Organisation damals gut zu pass.

Der Pressesprecher von Scientology Hamburg kam erst 1994 über einen Freund zur Organisation. Er ist der Meinung- jeder sollte sich ein eigenes Bild über Scientology machen. (12)

Ich möchte dem Scientologen Frank Busch an dieser Stelle noch einmal seine abwertenden Äusserungen zu den ehemaligen Scientologen vor Augen halten, er schrieb:

„Kaum einer von Ihnen ist in der Lage, sich seinen Lebensunterhalt mit einem normalen Job zu verdienen, wie es Millionen von Menschen auf der ganzen Welt machen. Was also bleibt übrig? Sie nutzen das riesige Interesse an Scientology, um mit Horrorgeschichten – ungeachtet ihrer Unwahrheit – über ihre ehemalige Religionsgemeinschaft Geld zu verdienen – denn nur diese sind für Medien interessant.“

 

Wir, Herr Busch, kümmern uns um die Aussteiger, die tatsächlich nichts mehr haben, weil sie bei Scientology all ihr Geld und ihre Persönlichkeit für ihre Ideale gelassen haben. Uns sind diese Menschen nicht egal, so wie ihrer „Kirche“, die nur vom Mammon geprägt ist.

Wer gibt Ihnen die Sicherheit, nicht doch einmal zu denen zu gehören, welche Sie in Schimpf und Schande davon jagen? Vielleicht fallen auch Sie einmal in Ungnade.

Leah Remini und einige anderen Promi-Scientology-Aussteiger sind nicht so klamm wie Herr Busch sie darstellen will. Und sie werden sich hoffentlich weiter gegen die Anfeindungen wehren.

Wir machen uns hier unser eigenes Bild über Scientology.

 

Quellen:

(1) Frank Busch Schmähschrift unter: https://www.presse-scientology-hamburg.de/?s=Leah+Remini

(2) Celebrity Nr. 240/1990

(3) Impact 93/2000, Seite 71

(4) ADVANCE Nr. 159/2002

(5) CELEBRITY Nr. 342/2002, Seite 1,  18,19,20,21

(6) ADVANCE Nr. 160/2002 u.a.

(7) Impact 100/2002, S.30: Patron der IAS USA und ff

(8) Impact- Magazin der IAS, Nr. 113/2006, Seite 50

(9)Exclusive: Actress Leah Remini quits Scientology after years of ‘interrogations’ 

(10) ABC:Leah Remini on Her Break With the Church of Scientology: ‚I Wanted to Be The One to Say It‘ Former „King of Queens“ star sat down for an exclusive interview with „20/20.“ unter: https://abcnews.go.com/Entertainment/leah-remini-break-church-scientology-wanted/story?id=34854744

(11) Brief von Anwalt Gary Soter vom 04.11.2016 an Gegenpartei veröffentlicht bei Tony Ortega unter https://tonyortega.org/wp-content/cache/all/2016/11/22/leah-remini-demands-1-5-million-from-scientology-for-interfering-with-her-ae-series/index.html

(12) Scientolgy Interview: Pressesprecher der Scientology Kirche Hamburg e.V.: Frank Busch; http://www.youtube.com/watch?v=gzbaTM… vom 07.06.2011

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