Scientologische Drogenkampagne: „Sag NEIN zu Drogen, sag JA zum Leben“: Der Elternkreis Suchtgefährdeter und Suchtkranker Leutkirch und andere Beispiele.

Ein Bericht von

Jörg Stolzenberger

Aufklärungsgruppe Krokodil

11. Februar 2019

 

Wenn ich an dieser Stelle wieder und wieder über die scientologische Drogenkampagne „Sag NEIN zu Drogen, Sag JA zum Leben“ berichte, hat dies einen guten Grund:

Ich möchte nicht, dass es Scientology (SO) gelingt mit ihren Kampagnen neue Mitglieder zu bekommen, denn dies wäre so, als „von der Sucht in die Sucht“ zu gelangen.                      So sehe ich das.

Wenn man den Kindern und Jugendlichen solche Kampagnen und scientologische Schlagsätze nahebringt, dann muss man sich nicht wundern, dass sie die entsprechenden Internetseiten als gut und seriös ansehen.

Nicht nur die Aufklärungsgruppe Krokodil hat schon mehrfach vor den Scientology-Drogenkampagnen gewarnt, aber im Netz fallen die Warnseiten schon gar nicht mehr auf und der Slogan der SO-Kampagne scheint inzwischen so viel Raum im Internet einzunehmen, dass kritische Seiten nur noch eine kleine Nische haben.

In vielen Bundesländern mussten eingetragene Selbsthilfevereine, welche sich mit dem Thema sogenannte Sekten und Psychogruppen (also auch mit Scientology) befasst hatten, wegen fehlender Unterstützung der Politik oder entsprechender zuständiger Behörden; oder aus Geldmangel aufgeben.

Es fehlen daher viele kritische, aufmerksame Augen und Ohren, welche früher auch in der Berichterstattung waren.

Trotzdem: In der heutigen Zeit stehen Suchmaschinen zur Verfügung und würde man sich mal die Mühe machen, mehr über entsprechende Anbieter zu erfahren, würde man vielleicht weniger Fehler machen.

Seit mehr als 16 Jahren gibt es den  Elternkreis Leutkirch.

Aus dem „Elternkreis Leutkirch Drogenabhängiger und -gefährdeter“ wurde der Elternkreis Leutkirch Suchtgefährdeter und Suchtkranker!

Die Namensänderung hatte einen guten Grund, denn, so der Verein:

„Immer mehr junge Menschen fallen den „neuen Süchten“ zum Opfer! Smartphones, PC-Spiele, Glücksspiele ob in Spielsalons oder online haben erhebliches Suchtpotential. Alkohol und Drogen sind sehr präsent und gehören mittlerweile zum Alltag junger Menschen. Vor allem die psychoaktiven Substanzen, die man mühelos über das Internet beziehen kann, sind sehr gefährlich und werden unterschätzt. Gerade diese „legal Hihgs“ führen immer wieder auch zu Todesfällen. Die Sorgen und Nöte aller Eltern deren Söhne und Töchter Abhängigkeitssymtome zeigen, wovon auch immer, sind sich ähnlich.“

Der „Elternkreis Leutkirch Suchtgefährdeter und Suchtkranker“ wollte deshalb allen  Eltern ein Forum bieten um sich auszutauschen.

Der Elternkreis Leutkirch arbeitet zusammen

  • mit der Psychosozialen Beratungs- und ambulante Behandlungsstelle für Suchtkranke und Gefährdete Caritas Bodensee-Oberschwaben
  • mit der Baden-Württembergischen Landesvereinigung für Eltern-/Angehörigenkreise Drogenabhängiger und Drogengefährdeter e.V.
  • mit dem Bundesverband der Elternkreise drogengefährdeter und drogenabhängiger Jugendlicher e.V

 

Bild oben: Eigendarstellung des Elternkreis Leutkirch

 

Der Verein ist im Selbsthilfenetzwerk im Landkreis Ravensburg integriert und dieses im Dachverband der Selbsthilfegruppen im Landkreis RV.

Bild oben: Logo Selbsthilfenetzwerk RV

 

Die Kontaktstelle für Selbsthilfe und Bürgerschaftliches Engagement im Landratsamt Ravensburg soll eigentlich die Selbsthilfegruppen im Landkreis informierem, beraten und unterstützen.  Aber irgendwie lief da einiges schief.

Gemeinsam mit der einer Mitarbeiterin des Jugendhaus Leutkirch, der Janette L., plante die Vorsitzende des „Elternkreis Leutkirch Drogenabhängiger und -gefährdeter“ eine Anti-Drogenveranstaltung, wobei die Praktikantin des Jugendhauses Janette L. die Hauptverantwortliche war.

Am 22. November 2017 fand der „Drogenpräventionstag“, wie ihn die Schwäbische Zeitung in einem Bericht nannte, dann statt und er hatte großen Zulauf.

Bilder oben: Veranstaltungsplakat-„Drogendealer im Unterallgäu“ und Hinweis der Veranstaltung im Jugendhaus Leutkirch und Kino Leutkirch

 

Immerhin 100 Schüler verschiedener Schularten hörten sich am Mittwoch den Vortrag von Laura Kochsiek, vom Münchner Projekt „Sag-nein-zu-Drogen“ an, in dem sie unterschiedliche Fakten von Drogen ansprach.

„Die Expertin“ Laura Kochsiek, wie sie von dem Redakteur der Schwäbischen Zeitung bezeichnet wurde, ging in ihrem Vortrag auch auf die Droge Alkohol ein.

Laura Kochsiek erklärte, dass Alkohol die meist missbrauchte Droge sei. Auf die Frage „Warum gibt es Drogen?“ antwortete sie: „Weil Menschen entweder damit Geld machen wollen oder weil viele Leute diese ausprobieren wollen.“

Im Anschluss machte sie eine Umfrage, in der sie wissen wollte, wie die Kinder jetzt über Drogen denken. Diese Auswertung ergab, dass die jungen Menschen zuvor bereits gutes Bild von Drogen hatten, aber sich nun definitiv dagegen entscheiden würden.

Am Abend ging es im Leutkircher Kino „Central-Theater“ weiter. Janette L. und Jugendhausleiter Dietmar M. begrüßten die Gäste im vollbesetzten Kino und leiteten zum 30-minütigen Vortrag „Fakten über Drogen“ über. Danach bekamen die Zuschauer unterschiedlichen Alters Filmausschnitte über Cannabis, Alkohol, Crystal Meth und Kokain und deren schädliche Wirkung präsentiert.

Das Resümee der Veranstalter sei durchaus positiv gewesen, heißt es. Janette L. hätte sich über die gut besuchte Veranstaltung und dem Ablauf sehr zufrieden gezeigt, so auch Jugendhausleiter Dietmar M.

Bild oben: Auszug aus der Schwäbischen Zeitung „Drogenpräventionstag findet viel Zuspruch“ vom 26. November 2017

 

 

Am 30.11.2017 berichtete auch das Wochenblatt unter der Überschrift „Marihuana, Koks und Heroin“ über die gelungene Veranstaltung.

Janette L. kommt darin zu Wort.

Die 29-Jährige hat selber bereits ihre eigenen Erfahrungen mit Drogen gemacht.            „Ich habe viele Leute abstürzen sehen und auch Menschen deswegen verloren“, erzählt sie. Deshalb leistet sie Präventionsarbeit, will die Leute aufklären und vor Schlimmerem bewahren. Unter anderem auch, weil der Konsum nicht nur der Gesundheit und Psyche schadet, sondern oft auch dem Umfeld: „Um die Drogen zu finanzieren, rutschen viele in die Kriminalität ab. Das schafft noch mehr Probleme.“

Die Vorsitzende des „Elternkreis Leutkirch Suchtgefährdeter und Suchtkranker“ hatte auch einen guten Grund einen Elternkreis zu bilden und sich für Drogenberatungsangebote einzusetzen: Vor etwa 16 Jahren gründete sie den Elternkreis – als sie herausfand, dass ihr Sohn heroinsüchtig ist und es in der näheren Umgebung keine derartigen Angebote gibt, schreibt das Wochenblatt.

Bild oben: Auszug vom Bericht des Wochenblatt vom 30.11.2017

 

Auf der Internetpräsenz von „Sag NEIN zu Drogen, Sag JA zum Leben“,  dem „Verein“ für Drogenaufklärung mit einem Postfach in München ist die Laura Kochsiek als VIZE-Präsidentin des Vereins aufgeführt.

Auf dieser Seite steht aber auch folgender deutlicher Hinweis:

„In Deutschland wurde der Verein „Sag NEIN zu Drogen – sag JA zum Leben“ im Jahre 2003 von Mitgliedern der Scientology Kirche gegründet. Vorher wurde die weltweite Kampagne durch lokale Initiativen unterstützt.“

Bilder oben: 2 Screenshots von der Eigendarstellung „Sag NEIN zu Drogen, Sag JA zum Leben“

 

Ein TIPP: Immer wieder bringe ich auch den Hinweis auf die Scientology-Kritische Webseite „Truth about Scientology“ der Kirsti Wächter an. Unter der Internetadresse https://www.truthaboutscientology.com gibt es eine Suchfunktion nach Namen welche Scientology-relavant sein könnten.

Hätte jemand dort den Namen Laura Kochsiek eingegeben, dann hätte er folgenden Hinweis zu ihren abgelegten Scientology-Kursen erhalten:

Bild oben: Scientology-Kritische Seite „Truthaboutscientology“ DL 11.02.2019

Hier ist zwar nicht alles aufgeführt und der Sachstand hinkt natürlich nach, aber es ist ein gutes Hilfsmittel festzustellen ob ein solcher Hintergrund besteht.

Und dann gab es noch einen Bericht in der ARD/BR.                                                                      Der  Dokumentarbeitrag lief unter dem Namen „Miese Tour von Scientology“.

Diesen möchte ich Ihnen an dieser Stelle zeigen:

 

 

Was lief im geschilderten Fall alles schief?

Fiel denn niemand auf, wer hinter der Laura Kochsiek und ihrem Verein steht?

Der Praktikantin Janette L. vom Jugendzentrum Leutkirch nicht?

Dem Jugendzentrum-Leiter Dietmar M. nicht?

Der Vorsitzenden vom  „Elternkreis Leutkirch Suchtgefährdeter und Suchtkranker!“ nicht?

Dem Selbsthilfenetzwerk im Landkreis Ravensburg nicht, welches auch auf die Drogenveranstaltung auf seiner Webseite hinwies?

Bild oben: Eintrag des Drogenvortrages auf der Internetseite des Selbsthilfenetzwerkes vom 15.11.2017

 

Und auch die Redakteure von Schwäbische Zeitung und dem Wochenblatt waren scheinbar ahnungslos, denn man findet keinen Hinweis in der Berichterstattung.

Und auch die Stabsstelle der Stadt Leutkirch merkte nichts als sie im Jahr 2018 ihren „Jahresbericht 2017“ herausbrachte. Auch sie hatte  die „Fortbildungsveranstaltung“ durch den scientologischen Verein aufgeführt.

Bilder oben: Aus dem Jahresbericht 2017 der Stabsstelle der Stadt Leutkirch.

 

 

Doch! Einer aufmerksamen Leserin fiel etwas auf und Sie eröffnete einen einzigen Kommentar auf der Webseite der Schwäbischen Zeitung, klein und unscheinbar, wenn auch mit Verspätung:

„gerdagrimm

Die hier genannte Organisation „Sag nein zu Drogen“ wird von Scientology gefördert. Und das angesprochene Argument dass Cannabis 60 krebserregende Stoffe enthält und ein Nerven Gift ist ist falsch. Vorher bitte Fakten prüfen.“

 

Bild oben: Kommentar von Frau Gerda Grimm am 24.09.2018

Gut gemacht Frau Grimm!

 

Der Scientologische Verein „Sag NEIN zu Drogen, Sag JA zum Leben“ hat auf ihrer Internetpräsenz, mit dem Stand Januar 2019, wieder Feedbacks eingestellt, die den Lob ihrer Anti-Drogenkampagne aufzeigen sollen. Hier heißt es:

Bild oben: Logo des SO-Vereins / unten Eigendarstellungen „Feedbacks“ AUSZUGSWEISE

Lehrkraft aus Niedersachsen (Erstbest 03/17 – nun 09/18)Wir führen an unserer Schule eine Drogenpräventionsprogramm durch. Ich möchtedie Materialien dafür verwenden. Ich habe sie schon einmal für eine andere Schulebestellt und es kam sehr gut an. Leider lässt sich die DVD nicht mehr abspielen,deswegen brauche ich sie noch einmal.

Arzt aus NRW (11/18)Lieber Herr Heise,Sie baten um eine kurze Rückmeldung bzgl. der Drogenaufklärung:Gestern Abend habe ich im Rahmen einer SV-Fahrt (Schülervertretung)des A.- Gymnasiums E. vor ca. 50 Schülern der Klassen 5 – 12 einen interaktivenVortrag zum Thema „Sucht + Drogen“ gehalten. Dies war auch das Hauptthema der gesamten Fahrt. Die Schüler warenalle sehr interessiert und haben gut mitgearbeitet und konnten sicherlicheiniges mitnehmen. Ihr Aufklärungsmaterial war hilfreich und ich habees für die Schüler zum vertiefenden Lesen dagelassen.Vielen Dank nochmals für die unkomplizierte Zusendung!Beste Grüße Dr. M. A.

Lehrkraft, Mittelfranken in Bayern (Oktober 2018)Erstbestellung im Februar 2018Ich bestelle dies erneut, da es so gut bei den Schüler ankam.

Angehender Sozialpädagoge an einem Berufskolleg, NRW(Juni 2018):Schönen guten Tag,ich möchte mich hiermit bei euch bedanken. Ihr habt mir mit euren Materialien dabeigeholfen, eine äußerst gute Präsentation für meine Mitschüler und Lehrer zugestalten. Ich konnte viele Interessenten für dieses ernste und wichtige Themagewinnen. Bald beginnt mein Praktikum in einer Jugendeinrichtung für Jugendlichedie durchaus mit verschiedenen Drogen konfrontiert wurden und werden. Ich glaubedass ich nun besser informiert wurde und bereit bin mich dieser Herausforderung zustellen. Von Herzen ein Dankeschön für eure Arbeit!T.

Lehrkraft, Grund- und Hauptschule in Brandenburg (Dez 2018)Sehr geehrter Herr Heise,vielen Dank für Ihr Material. Ich habe es im Unterricht zweier 6. Klassen eingesetztund verteilt. Die SuS hatten sehr viele Fragen und der Film kam gut a, so dass siesich auch kritisch mit dem Thema auseinandergesetzt haben. Sie äußerten, das sienicht gedacht hätten, dass die Betroffenen so jung sind oder dass es so extremeAuswirkungen hat.Die besten GrüßeS. P.

(Fehler im Original)

 

Wenden Sie sich an die zuständigen Behörden und / oder Ministerien wenn Sie den Verdacht haben, dass bei einer Veranstaltung etwas nicht in Ordnung zu sein scheint.

Die sehr positiven Berichte über den „Drogenpräventionstag“ 2017 mit dem SO-Verein stehen auf allen Internetseiten auch im Jahr 2019 noch so positiv da, wie an dem Tag als über ihn berichtet wurde. Begleitet nur von dem winzigen Hinweis der Frau Grimm.

Deshalb habe ich an dieser Stelle ausführlich darüber berichtet.

 

Quellen:

Eigendarstellung Elternkreis Leutkirch Suchtgefährdeter und Suchtkranker!                                     https://elternkreis-leutkirch.jimdo.com/

Selbsthilfenetzwerk im Landkreis Ravensburg / Vom Landratsamt Ravensburg

Unter: http://www.selbsthilfe-rv.de

Und http://www.selbsthilfe-rv.de/index.php?id=12&tx_ttnews%5Byear%5D=2017&tx_ttnews%5Bmonth%5D=11&tx_ttnews%5Btt_news%5D=108&cHash=2a32759591976372ef5920874e9d43b0

Vom 15.11.2017 / DL 11.02.2019

Internetpräsenz von „Sag NEIN zu Drogen, Sag JA zum Leben“ https://www.sag-nein-zu-drogen.de/kontakt/impressum/

Wochenblatt vom 30.11.2017 unter: https://www.wochenblatt-online.de/verlag/archiv/marihuana-koks-und-heroin2017-11-30-1403450100

Feedbacks Januar 2019: https://www.sag-nein-zu-drogen.de/fileadmin/dateien/successes/190110_SNZD_Feedbacks.pdf

 

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