Anonymes Krokodil-Exklusiv-Interview mit einem (rückfälligen) Scientologen!

Das Interview wurde geführt durch:

Jörg Stolzenberger

Aufklärungsgruppe Krokodil

am 25.01.2019

 

Unser Exklusiv-Interview-Partner ist 1998 über eine ehemalige Beratungsstelle im Saarland bei Scientology ausgestiegen.

Er war damals Scientologe in Baden-Württemberg.

Nach seinem Ausstieg war er bei verschiedensten Kritiker-Veranstaltungen von Scientology-kritischen Beratungsstellen in Baden-Württemberg, Bayern, Hessen, Sachsen usw.  anwesend.

Auf einigen dieser Veranstaltungen haben wir uns auch gesehen und auch miteinander gesprochen.

Nach 2000 war er dann sogar im Vorstand einer ehemaligen Scientology-kritischen Beratungsstelle in Hessen und in dieser Zeit auch auf internationalen Kritikerveranstaltungen im Ausland.

Er erhielt auf diesem Wege also auch Mitteilungen/Informationen aus und über die vernetzten kritischen Beratungsstellen in ganz Deutschland und darüber hinaus.

Weiter war er auf der Verleihung des Menschenrechtspreis an den ehemaligen Bundesarbeitsministers Norbert Blüm, der in Leipzig für sein Engagement gegen Scientology-Organisation geehrt wurde.

Um seine Identität zu wahren, wie ich es zugesagt habe, will ich nicht näher darauf eingehen.

Ich habe feststellen müssen, dass er vor einiger Zeit wieder zu Scientology zurückgekehrt ist. So ein Verhalten ist nicht gerade typisch und wirft natürlich Fragen auf.

Mir ist so ein Vorfall in über 22 Jahren, in der ich mich kritisch mit Scientology befasse, nie bekannt geworden.

Aus diesem Grund habe ich ihn angerufen und ihn um ein anonymes Interview gebeten. Er hat versucht, die Fragen zu beantworten.

Ich stelle an dieser Stelle das Interview ein, ohne die Antworten in irgendeiner Form zu bewerten.

Es ist nicht gestattet Inhalte des Interviews ohne Quellenangabe zu verwenden!

  1. Frage Aufklärungsgruppe Krokodil: Wie lange warst du bei der kritischen Beratungsstelle in Hessen?

Antw.: Ich war etwa 6-7 Jahre dort. Es ist schon wieder lange her, daher weiß ich es nicht genau.

  1. Frage Aufklärungsgruppe Krokodil: Von wann bis wann warst du in der Vorstandschaft?

Antw.: 2003-2008 war ich im Vorstand und war für die Finanzen zuständig. Der Verein war jetzt nicht so aktiv wie man denkt.

Wir hatten eine Veranstaltung mit Ursula Caberta, der damaligen Scientology-Gegnerin des Hamburger Senats.

  1. Frage Aufklärungsgruppe Krokodil: Aus deiner ersten Scientology-Erfahrung hattest du, zum Zeitpunkt deines Ausstiegs im Jahr 1998 Schulden angehäuft. Mal ehrlich, wenn die nicht dagewesen wären, hättest du mit Scientology weitergemacht?

Antw.: Ich hatte vielleicht 30.000 DM Schulden. Ich hatte wenig verdient. 2-3 Jahre nach dem Ausstieg war ich wieder auf Null.  Aber die Schulden waren nicht das Problem zu dieser Zeit. Das Problem lag in der fehlenden Unterstützung von Leuten bei SO und dem daraus resultierendem Stress.

  1. Frage Aufklärungsgruppe Krokodil: Was war der Grund/ die Gründe, sich vom kritischen Beratungsverein abzukehren und wieder zur Scientology-Organisation zurückzukehren?

Antw.: Ich hatte 2007 wieder Kontakt zu einer Scientologin.

  1. Frage Aufklärungsgruppe Krokodil: Wann bist du dann wieder in Scientology eingetreten?

Antw.: 2008 bin ich dann wieder in Scientology eingetreten.

  1. Frage Aufklärungsgruppe Krokodil: Gab es keine Schwierigkeiten dort wieder Mitglied zu werden? Schließlich warst du ja auch in der Vorstandschaft eines SO-Kritischen Vereins.

Antw.: Es hat sich in SO viel geändert. Einige die früher Druck machten sind nicht mehr da. Früher war der Ton rauer. 1998 bevor ich aus Scientology austrat, hatte ich nie Unterstützung und es war viel Druck. Deshalb bin ausgestiegen.

  1. Frage Aufklärungsgruppe Krokodil: Hat man von dir, bei Scientology, etwas Spezielles verlangt, um dieses Verhalten zu rechtfertigen?

Antw.: Darüber gebe ich keine Auskunft. Denk dir was du magst.

  1. Frage Aufklärungsgruppe Krokodil: Ich frage mal direkt, weil man dies ja auch vermuten könnte: Warst du in der Zeit, als du angeblich ausgestiegen warst, für Scientology oder deren Office of Special Affairs (OSA) tätig? Hast du also zu dieser Zeit hin- und wieder Bericht über das Eine oder das Andere, was du innerhalb deiner Kritikerzeit erfahren hast, an die Organisation erstattet? Kurz: Warst du ein U-Boot?

Antw.: Nein! Die Frage überrascht mich aber nicht. Ich hatte bei verschiedenen Anlässen damals schon das Gefühl, das mir misstraut wurde. Wenn ich ein U-Boot gewesen wäre würde ich es nicht sagen. Wenn ich sagen würde, ich war keines, würde man mir sowieso nicht glauben. Mir hatte damals schon mal ein Pfarrer (Name wurde hier auch anonym gehalten), anlässlich einer Kritikerveranstaltung gefragt, ob ich nun auch alles für Scientology mitgeschrieben hätte. Und auch du, glaube ich, hast mir nicht so getraut.

  1. Frage Aufklärungsgruppe Krokodil: Wurdest du, bei deinem Wiedereinstieg gezielt nach Kritikern befragt, ohne dass ich von dir verlange, speziell darauf einzugehen?

Antw: Natürlich wurde ich gefragt was ich gemacht hab.

  1. Frage Aufklärungsgruppe Krokodil: Wenn ja: Welche Namen waren hier wichtig? Wenn nein: Was hast du erlebt als du deinen Wiedereintritt erklärt hast, gab es eine Form der Rehabilitation?

Antw.: Da sage ich nichts dazu.

  1. Frage Aufklärungsgruppe Krokodil: Von wem ging die „Berichterstattung“ aus? Wurdest du dazu befragt oder hast du dich verpflichtet dich outen zu müssen?

Antw.: Ich musste in „Good Standing“ (**) gehen. Ich musste bestimmte Antworten geben. Mehr sage ich nicht, das sind Internas.

  1. Frage Aufklärungsgruppe Krokodil: Welche Kurse, Auditing o.a. hast du während der Neuzeit bei Scientology auf der „Brücke“ absolviert?

Antw.: Bei Scientology hat sich einiges verändert. Materialien sind zum Teil neu zusammengestellt und neu übersetzt. Der Kursinhalt ist aber gleich. Ich habe praktisch Kurse, die ich schon gemacht hatte, neu belegt.

  1. Frage Aufklärungsgruppe Krokodil: Welchen aktuellen IAS-Status hast du derzeit in Scientology?

Antw.: Es ist ein P.  Also Patron. (***)

  1. Frage Aufklärungsgruppe Krokodil: Wieviel Geld hast du insgesamt wieder, seit deinem Neueintritt, an die Organisation gespendet?

Antw.:  Ca. 50.000 Euro seit meinem Einstieg von 1984. Das heißt: der alte Status wurde wiederhergestellt. Das wurde akkumuliert.

  1. Frage Aufklärungsgruppe Krokodil: Ich habe dich auf einem Bild des Magazins Impact 2018, der Internationalen Vereinigung der Scientologen (IAS) gesehen, auf dem die PATRONs der IAS abgebildet waren. Du lachst herzhaft und scheinst viel Spaß zu haben.Fühlst du dich der Organisation wieder so verbunden wie bei deinem Ersteinstieg oder hat sich da was verändert?

Antw.:  Im Prinzip ist es gleich.

  1. Frage Aufklärungsgruppe Krokodil: Wissen deine Arbeitskollegen von deinem damaligen Scientology-Ausstieg bzw. deiner Beratungsarbeit bei der Kritischen Beratungsstelle?

Antw.: Nein, das wissen sie nicht. Sie wissen, dass ich Scientologe bin.

  1. Frage Aufklärungsgruppe Krokodil: Hast du keine Angst, dass du dich wieder bei Scientology verschuldest?

Antw.: Nein. Meine Schulden waren ja nicht der Hauptgrund auszusteigen, sondern das Verhalten damaliger anderer Scientologen.   

  1. Frage Aufklärungsgruppe Krokodil: Was würdest du den Leuten sagen, mit denen du damals im SO-kritischen Verein zusammengearbeitet hast, mit denen du befreundet warst oder bist und die von deiner Rückkehr in Scientology bisher nichts wissen?

Antw.: Ich glaube die ahnen das. Ich bin jetzt wieder drin in Scientology und damit ist klar, ich kann nicht in beiden Lagern sein. Ich habe mit meiner Vergangenheit abgeschlossen. Ich bin seit 2008 wieder in Scientology, also Scientologe und ihr seid in einem anderen Lager. Es gibt nur Scientologen und Nichtscientologen.

 

Ich bedanke mich bei dem Scientologen für seine Antworten, die ihm bestimmt auch nicht einfach fielen.

 

 

Begriffserläuterungen:

(**) „Good Standing“ (in gutem Ansehen stehen) laut Scientology:

ETHIK-UND RECHTSANGELEGENHEITEN IN SCIENTOLOGY

RECHTSWESEN IN SCIENTOLOGYTrotz all der Werkzeuge, über die ein Scientologe verfügt, um seine Zustände zu verbessern und sein ethisches Niveau anzuheben, ist es manchmal zum Schutz der vielen nötig, daß die Gruppe einschreitet und korrekte Maßnahmen ergreift, wenn der einzelne versäumt, derartige Handlungen selbst zu unternehmen; dafür gibt es das Rechtssystem der Scientology-Kirche. Der grundlegende Gedanke, der hinter dem Rechtswesen in Scientology steht, ist genauso einfach und vernünftig, wie die Theorie, die der Scientology-Ethik zugrunde liegt. Es gibt das Rechtswesen zum Schutz anständiger Leute. Es ist ein notwendiger Bestandteil jeder funktionierenden Gesellschaft. Ohne ein Rechtswesen greift der Rohling den Schwachen, Guten oder Produktiven an. Das Konzept und die Praxis eines Rechtswesens, so wie wir sie in der heutigen Gesellschaft vorfinden, werden jedoch immer unwirksamer.Das öffentliche Rechtssystem ist in seinen Komplexitäten festgefahren und traurigerweise zu einem Gefecht der besseren Argumente zwischen den Anwälten geworden. „Richtig” und „falsch”, „Schuld” und „Unschuld” wurden die Statisten in diesem Possenspiel. Ein Anwalt beispielsweise, der einen Verbrecher verteidigt, der wegen bewaffneten Raubüberfalls vor Gericht steht, ist nicht unbedingt daran interessiert, Schuld oder Unschuld festzustellen; er sucht nach einer Gesetzeslücke oder einer technischen Förmlichkeit, auf deren Grundlage der Fall aufgehoben und sein Klient freigesprochen werden kann – schuldig oder nicht. Nur wenige können sich leisten, auch nur zu versuchen, Recht mit Hilfe der Gerichtshöfe zu bekommen, und selbst wenn man gewinnt, machen Anwaltskosten diesen Erfolg zu einem Pyrrhussieg. Ordentliche Gerichtsverfahren werden durch ein Übermaß an gerichtlichen Anträgen, Gegenanträgen, Zeugenvorladungen, gerichtlichen Verfügungen, Berufungen, Ansprüchen und Gegenansprüchen blockiert.Das Rechtswesen in Scientology ist anders als alle anderen. Hier gibt es eine kirchliche Justiz, die sowohl schnell wie auch fair ist, und Scientologen machen davon Gebrauch, um Gerechtigkeit zu erlangen.Rechtsverfahren in Scientology werden auf der Basis verschiedener kirchlicher Kodizes abgehalten, die leicht verständlich, klar ausgelegt, allgemein veröffentlicht und Scientologen gut bekannt sind. Kirchliche Justizmaßnahmen werden in absoluter Übereinstimmung darüber, ob diese Kodizes verletzt worden sind oder nicht, durchgeführt; Verdächtigungen, Meinungen oder Willkür haben keinen Platz darin.       Die Kodizes schützen die Rechte jedes Scientologen, der als Mitglied in gutem Ansehen der Kirche steht und damit einen Anspruch auf Anhörung vor dem kirchlichen Rechtswesen hat.

Bild oben: Rechtssystem Scientology Eigendarstellung

 

Laut Beschluss des Bundesarbeitsgericht Verkündet am 22. März 1995

Aktenzeichen : 5 AZB 21/94
Bundesarbeitsgericht 5. Senat        Beschluß vom 22. März 1995
                                     - 5 AZB 21/94 -
I.  Arbeitsgericht                   Beschluß vom 12. August 1993
                                     - 8 Ca 556/92 - 
II. Landesarbeitsgericht             Beschluß vom 31. Mai 1994
    Hamburg                          - 6 Ta 24/93 - 

„Religionsgemeinschaftseigenschaft

von Scientology

§ 10 Mitglied der Kirche kann jede unbescholtene Person werden.                                   Voraussetzung jeder Mitgliedschaft ist, daß die Person in gutem Ansehen bei der Scientology Kirche steht, d.h. daß der Bewerber weder die Ziele, die tatsächliche Ausübung der Scientology-Religion noch kirchliche Institutionen der Scientology-Religion aktiv angreift, derartige Angriffe unterstützt oder gutheißt.                                                             Hierüber hat sich das Mitglied bei der Beitrittserklärung entsprechend zu erklären.     Nach erfolgter Aufnahme wird vom Mitglied erwartet, daß es aus seiner jeweiligen Position als Mitglied zu den kirchlichen Zielen und Aufgaben positiv beiträgt, um weiterhin in gutem Ansehen zu stehen. Ehemalige ausgeschlossene oder ausgetretene Mitglieder können ungeachtet ihrer vergangenen schädlichen Handlungen gegen die Kirche aufgrund ihres schriftlichen Antrags wieder auf genommen werden, wenn sie ihr vergangenes schädliches Tun offen und ehrlich bereuen und jeglichen angerichteten Schaden wieder gutgemacht haben. . . .

 

(***) Begriff PATRON der IAS

laut Scientology Eigendarstellung

INTERNATIONAL ASSOCIATION OF SCIENTOLOGISTS

MITGLIEDSCHAFT IN DER VEREINIGUNG Mitglieder der Internationalen Vereinigung haben Anspruch auf bestimmte Rechte und Privilegien, wie sie von der Vereinigung gewährt werden. Darüber hinaus hat die Church of Scientology International die Mitgliedschaft in der International Association of Scientologists als ihr offizielles Mitgliedschaftssystem angenommen und gewährt Mitgliedern der Vereinigung besondere Privilegien und Vorteile, um ihnen zu helfen, schneller auf der Brücke nach oben zu kommen.Zusätzlich zu verschiedenen Mitgliedschaftskategorien gibt es besondere Ehrenränge für außerordentliche Beiträge, die zur Unterstützung der Ziele der IAS geleistet werden. Diese Ehrenränge sind für die Dauer der Mitgliedschaft des Trägers gültig. Es gibt folgende Kategorien: Sponsor of the Association (Sponsor der Vereinigung), Crusader (Kreuzfahrer), Member of the Honor Roll (Mitglied der Ehrenliste), Patron of the Association (Patron der Vereinigung), Patron with Honors (Patron mit Ehren), Patron Meritorious (Patron mit Verdiensten), Silver Meritorious (Silberrang mit Verdiensten), Gold Meritorious (Goldrang mit Verdiensten) und Member of the Senior Honor Roll (Mitglied der höheren Ehrenliste). Mitglieder, die diese Ränge erreichen, werden anerkannt, indem ihre Namen an alle anderen restlichen Mitglieder veröffentlicht und ihnen bei speziellen Auszeichnungsbanketten Anstecknadeln und Plaketten überreicht werden.“

Bild oben:  Eigendarstellung Scientology zum Ehrenstatus

 

Der Status „PATRON der IAS“ wird jemanden verliehen, der mindestens 50.000 US-Dollar an die Scientology gespendet hat.

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