Scientology sichert ihre Materialien auf Hunderte von Jahren und für mehrere Generationen in einem „Church Archivalproject“.

Ein Bericht von

Jörg Stolzenberger

Aufklärungsgruppe Krokodil

21.11.2018

Als Scientology-Kritiker bin ich natürlich nicht darüber erfreut, dass die Scientology-Organisation ihre gesamten Materialien des verstorbenen Scientology-Gründers, über den natürlichen Verfall hinaus und über mehrere Generationen, haltbar macht, um in ferner Zukunft immer noch ihre fiktiven- und abstrusen Thesen über die Menschheit zu streuen, um einen Scientologen-Staat oder gar einen Planeten von Scientologen zu erreichen.

Dennoch beeindruckt auch mich, welche Mühe und Knowhow von Scientology in ihr „Archival-Project“ gesetzt wird.

Finanzielle Mittel sind ja mehr wie genügend da, dafür haben ja die Mitglieder selbst gesorgt.

 

Man sollte nicht immer alles als abstrus und erfunden darstellen, was Scientologen tun.

Manches Verhalten kann durchaus geeignet sein, die Scientology-Ideologie bzw. die ihres Gründers in der „ nichtscientologischen-“ Gesellschaft zu verteilen und zu verankern.

Man kann nicht abstreiten, dass sich der Anteil von Scientology-Beiträgen und -Thesen im Internet schlagartig weiter und weiter verbreitet und immer professioneller wird!

In den Jahren ihrer Existenz wurde Scientology also nie weniger!

Und wenn man die Existenz von Scientology nur anhand ihrer eingetragenen oder geouteten „Mitglieder“ aufzuhängen versucht, dann täuscht man nicht nur sich selbst, sondern verharmlost Scientology auch nach außen.

 

Auf ihrem eigenen „Scientology-Network“ Filmkanal findet sich auch eine Art eigener Dokumentarfilm über das „Archival-Project“.

Bild oben: Der Scientology-Network Kanal

 

Der Film ist vom 26. März 2018 und dauert ca. 45 Minuten an.

Er dient dazu dem Seher einen „faszinierenden Blick auf das Rennen gegen die Zeit“ zu präsentieren, „um die heiligen Schriften von Scientology für zukünftige Generationen zu sichern“, so die Eigendarstellung des Videos, welches auch mit deutschem Inhalt unterlegt ist.

Mit der Zeit droht das ursprüngliche Ausgangsmaterial sich selbst zu zersetzen.

So ergeht es nicht nur den Scientologen.

Auch Behörden, Museen und andere Archive haben damit zu kämpfen ihre wichtigen Dokumente vor dem Verfall zu schützen.

 

Bild oben: Eigendarstellung Scientology Archival Project

Die Scientology-Organisation, so zeigt es die Dokumentation, welche ich mir anschaute, setzte ein „hochkarätiges Expertenteam ein“, dieses entwickelte neue Technologien und griff dabei auch auf Techniken der Vergangenheit zurück.

Die Schriften der Organisation bestehen, laut eigener Dokumentation, aus mehr als 75 Millionen geschriebenen oder aufgenommenen Wörtern, und über 75 Filmen, sowie 5000 Tonträgern aus den 50er Jahren.

Alle enthalten die „spirituelle Lehre der Scientology“.

 

Durch modernste Sicherungs-Methoden sollten diese für die künftigen Generationen vor Verfall und Verlust „geschützt“ werden.

Hierfür wurde ein Team aus Mitgliedern des „religiösen Ordens der Kirche“, so die Eigendarstellung, dazu abgestellt, eines der größten Rätsel der Menschheit zu lösen, und die Frage zu beantworten: „Wie kann man der Zeit wahrhaftig trotzen“.

Das Archivierungs-Projekt der Scientologen besteht aus drei Phasen: Haltbarmachung; Archivierung und Permanente Lagerung.

Die handbeschriebenen Seiten, die Tonbänder und die Filme sind die Quelle aller Scientology-Bücher und Materialien.

Sie alle wurden von L. Ron Hubbard, dem verstorbenen Gründer von Scientology verfasst.

Seine „HCO“s sind seine Art der Gesetze für Scientologen.

Aber alle diese Artefakte haben nur eine begrenzte Lebensdauer und deshalb sollen sie haltbar gemacht werden „auf Ewigkeit, damit die Scientology-Organisation fortbestehen kann“.

Archivausgaben von jedem Artikel sollten entworfen und kreiert werden.

 

All diese Materialien sollten danach in sogenannte „Zeitkapseln“ gepackt werden, welche das Scientologen-Team aber erst entwerfen musste.

Es sollten atmosphärisch kontrollierte Kammern sein, welche den Inhalt vor allem schützen soll, was kommen mag.

Die Schriften sollen unzerstörbar gemacht werden.

 

Der Senior Projekt Manager des „Church Archival Project“ kommt im Video des Scientology Network zu Wort und berichtet, dass man sogar das Britische Museum, das National Archiv und das Smithsonian Institut abfragten, was die besten Archivare der Welt machen, um ihre riesigen Sammlungen von Millionen schriftlicher- und audiovisuellen Werke zu schützen.

Aber auch diese hatten Schwierigkeiten, selbst mit hochmodernen Technologien, ihre wertvollen Materialien auf lange Dauer zu schützen.

Dem Scientologen-Team des „Church Archival Project“ bliebt also nichts anderes übrig, als die „modernsten Archivierungstechniken der Welt“ zu verbessern.

Um den natürlichen Verfall aufzuhalten werden schon jetzt Papiere, welche eine normale Verwertungszeit von 40 Jahren haben, entsprechend gegen den Zerfall behandelt.

Zunächst wird, in einem extra erstellten Labor, in dem niedrige Luftfeuchtigkeit herrscht und welches Temperaturgeregelt ist, aufwendig jedes Original-Papier geglättet, Heftklammern entfernt und die natürliche Säure im Papier wird vor der Selbstzerstörung behandelt.

Dann wird das handgeschriebene Papier von Schmutz und von Oberflächenpartikeln gesäubert. Feuchtigkeitsschäden werden chemisch behandelt und mit geeigneten Geräten wird die Feuchtigkeit entzogen.

Die Original-Papierseite wird mit Spezialpapier belegt, welches Kalziumkarbonat enthält.

Es neutralisiert Säure und verhindert so den weiteren Verfall.

 

 

Bilder oben: Eigendarstellung Scientology aus dem Film „Archival-Project“

 

Das Original kommt dann in eine säurefreie Akte und von dort in einen säurefreien Karton. Die beschrifteten Kartons werden Klima-kontrolliert gelagert.

Die Lebenszeit wurde daher von Jahrzehnten auf Jahrhunderte verlängert.

2,3 Millionen Seiten sollen so behandelt werden.

 

Unabhängig davon wird das Papier in hoher Auflösung gescannt und in chronologischer Form in eine Computerdatenbank eingebunden.

Sie umfasst die gesamte Bibliothek über die Werke des Scientology-Gründers L. Ron Hubbard.

 

Bild oben: L. Ron Hubbard Gründer von Scientology

 

Um fehlende Originale des Gründers zu finden reisten die Team-Mitglieder in verschiedenste Städte, in denen sich der verstorbene Gründer aufgehalten hatte.

So wurden einige handschriftliche Originale in Washington gefunden.

54 Schaubilder, die von dem Gründer gezeichnet wurden, fanden sich in Philadelphia. Sie waren nach einer Vortragsreihe dort verschwunden.

Man fand sie auf einem Dachboden.

 

Überall auf der Welt befinden sich Orte wo Material gelagert wird in sogenannten Zeitkapseln.

Scientology erhielten für den Bau solcher Zeitkapsel laut Eigendarstellung „zwei Ingenieurspatente“.

Es beginnt mit einem soliden Titangehäuse, hart wie Stahl aber mit der Hälfte des Gewichtes.

 

Bild oben: Dokumentarfilm von Scientology: die Zeitkapsel kommt in einen Container.

 

Die geriefelten Kapselseiten sind stoß- und bruchfest.

Die Kapsel soll „Atomblitzen“ und „hoher Strahlung“ widerstehen.

 

Bilder oben: Dokumentarfilm von Scientology: die Zeitkapsel übersteht Atomblitze u.a.

 

Auch bestehe sie dem „darauffolgenden Fallout“.

Sie ist unbeeinflusst von Säuren, Korrosion, Salzwasser, Dürre, extremer Temperaturen. Ihr Schmelzpunkt liegt bei 1650 Grad Celsius.

 

Bild oben: Dokumentarfilm von Scientology: die Zeitkapsel übersteht bis 1650 Grad Celsius

 

Alle Materialien, die gesichert werden, egal ob Papiere, Metallpressungen, Tonträger, Bücher usw. passen in die Einzelboxen und diese in die Zeitkapseln.

Nach dem aufwendigen Verschluss einer Zeitkapsel, unter anderem jede Einzelne mit 36 Titanschrauben, wird der noch vorhandene Sauerstoff im Innern durch Argangas ausgetauscht.

Die Zeitkapseln kommen letztlich in einen Keramik-Container, welche auch Raumfahrzeuge beim Wiedereintritt gegen die Atmosphäre schützen.

Scientology ist davon überzeugt, sie haben eine Möglichkeit gefunden damit ihre Materialien Unaus löschbar, bruchfest und unzerstörbar sind.

Zur Aufbewahrung der Zeitkapseln wurden 120 Meter in einen geheimen, abgelegenen Hügel gegraben.

Dort in 20 Meter Tiefe und in einem dicken Bett von verstärktem Beton, entstand ein 115 Meter langer Stahlzylinder mit zwei Stockwerken.

 

Bild oben: Dokumentarfilm von Scientology: Der Lagertunnel

 

Er hat 450 Abschnitte geschweißter Stahlplatten, eingewickelt aus 4 km langem, 2,5 cm starkem rostfreiem Drahtseil.

So entstanden ca. 1200 qm Lagerfläche mit 600 Edelstahlregalen.

Die Zweite Etage hängt beweglich und damit ist der gesamte Tunnel Erdbebensicher, so die Darstellung der Scientology.

 

Bei dem Senior Projekt Manager des „Church Archival Project“  handelt es sich um Tom Vorm.

Man kann ihn in einem anderen Video auf der Internetplattform von Scientology-Führer David Miscavige sehen.

Hier heißt es in den Videotransscript:

„You know, L. Ron Hubbard said ‘be a professional in everything you do’ and COB is like the, the ideal characterization of that—being a professional.

You know, we’re very serious about preserving the technology and, you know, there’s definitely—there’s no fooling around, like we’re going to get this done and we’re going to do it in the most professional way possible and we need to find out what that is. And in our preservation program, I mean that’s been done totally under his guidance in terms of, like—that has to be the top level of preservation anywhere. And it is. Like I’ve, I’ve been in touch with National Archives, Library of Congress, many other organizations who do preservation work and no one has the level of preservation longevity and quality that we have. And that’s directly due to his, his guidance.

The other thing that I got from working with him—this is over a period of probably three months or so—was just in terms of the research. Like he was telling us, basically training us how to do research or how he does research. And I found that totally useful because it, it all comes down to asking the right questions and knowing what you’re looking for and it doesn’t have to take a long time. And I, prior to that, I really had the idea, well it takes as long as it takes. It really doesn’t. You go in, you find the right people, you ask the right questions. I learned that totally from working directly under him.

I did a project for him over a number of years and it was basically to introduce, to put there one of the breakthroughs that Mr. Hubbard developed back in the late ’70s of being—he discovered that you could actually increase people’s perception by drilling. And, you know, if someone wasn’t seeing or hearing or even the many other perceptions there are, you could actually drill them to where they could. And others had tried to put this project together and it just didn’t go anywhere. There was, you know—well, Mr. Miscavige picked up this project and it just became this, just totally exciting thing. Like for gravity we ended up getting a NASA simulator to put your body in any position you, you want to so you can actually perceive gravity from any perceptic. And many others on numerous, numerous perceptions. And that was all from his creativity, like he was looking at something that he wanted to put there and really make this a—something that would benefit people. And that totally came from him. That was like directly a good result. And you can see that, you know, the entire floor out at Florida is now filled with the equipment and it’s like—it was just an awesome project. But it was all, it was very inspiring, like it was a very technical project but it was also totally in a create, like an art, artist-type mode.

When I work with him, it makes me want to work for him, you know, and, and he, he has a vision for the Church, he has a vision for the technology that LRH left us and making sure that that technology is always going to be there.“

Quellen:

SEASON 1 EPISODE 3 | Aired March 26, 2018

Archival Project

https://www.scientology.tv/series/inside-scientology/archival-project.html

https://www.davidmiscavige.org/videos/tom-vorm-on-david-miscavige.html

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