Anonyme Schilderung: „Meine (kurze) Erfahrung mit einem Scientologen“

Der Aufklärungsgruppe Krokodil ging am 15. Oktober 2018 ein Anschreiben einer uns bekannten Frau zu, die uns ihre (kurzen) Erfahrungen mit einem Scientologen schriftlich schilderte.

Die Frau möchte anonym bleiben und deshalb nennen wir Sie hier „Renate“.

„Renate“ berichtet an dieser Stelle über ihre Bekanntschaft, zu einem Scientologen, der hier aber auch anonym bleibt und als „XY“ beschrieben ist. Ihre Schilderungen und Erfahrungen beruhen auf den Schriftverkehr und den viermaligen persönlichen Treffen mit „XY“.

 

Meine (kurze) Erfahrung mit einem Scientologen

Auf der Suche nach einem neuen Partner (nach sehr schweren Jahren in meiner langjährigen Beziehung und letztendlicher Trennung, danach Neuausrichtung meines Lebens) habe ich bei einer Internet-Partnerbörse Kontakt zu einem Mann aufgenommen, dessen Profil mich sehr angesprochen hat.

Wir haben sehr viele Gemeinsamkeiten festgestellt, die sich auf alle Lebensbereiche (Beruf und Ausbildung, Freizeit, Sozialisierung, Interesse an gesellschaftlichen, politischen, spirituellen Themen …) bezogen haben; von größter Bedeutung war die gemeinsame Naturverbundenheit.

Wir haben so viel und so intensiv über alles Mögliche geschrieben, dass schnell der Wunsch daraus resultierte, sich persönlich zu begegnen und sich in die Arme zu schließen. Die Verliebtheit war enorm.

Ein erstes kurzes Date in ….. war der Ausgangspunkt für die Intensivierung der Beziehung. Es folgte der Besuch einer Kabarettveranstaltung, dann sein erster zweitägiger Besuch bei mir, drei Tage später hat er mich zu sich nach Hause eingeladen.

Das war am Samstag, 6. Oktober.

Es waren gerade einmal drei Wochen seit der ersten Kontaktaufnahme vergangen.              An diesem Samstag hat er mir eröffnet, dass er Scientologe ist.                                                   Es lag außerhalb meiner Vorstellungskraft, dass ich einem Scientologen begegnen würde…

Ich war glücklich verliebt, wir hatten wunderbare Stunden und Tage und jetzt wurde mir der Boden unter den Füßen weggezogen. Er hat mir vermittelt, dass er – auch aus beruflichen/zeitlichen Gründen – bei der Scientology-Organisation (SO) eher locker eingebunden ist, was ich nachvollziehen und ihm auch abnehmen konnte.

Allerdings ist er, wenn ich es richtig beurteilen kann, schon lange Jahre bei SO und war es auch gemeinsam mit seiner Ex-Frau.

Es folgte eine kleine Aussprache und er bat mich, einen Film über Scientology Engagement in Kolumbien anzuschauen. Ich fuhr dann nach Hause, weil ich mir für Sonntag den Besuch bei einem  Fest in Stuttgart eingeplant hatte.

Wir haben noch zwei Mal miteinander telefoniert, danach uns schriftlich über alles Mögliche, aber natürlich insbesondere über diesen neuen Aspekt „Scientology“ in unserer Beziehung auseinandergesetzt und uns letztendlich am vergangenen Wochenende einvernehmlich voneinander verabschiedet.

Wir haben uns gegenseitig konfrontiert, teilweise provoziert; ich kann noch nicht alles einordnen, aber mein Unbehagen über diverse Aussagen ist sehr groß.

Ein Grund dafür war, dass er das “WIR” so betont hat; ich habe ihm geschrieben, dass ich mich ausgegrenzt gefühlt habe und “Du bist auf einmal ganz hart geworden! – beim Reden und im Gesicht.”

Es gab auf einmal zwei “Wir”

– wir = XY und Renate –

wir Scientologen.

Ich möchte einfach ein paar Wahrnehmungen / Ereignisse beschreiben:

 

Fakten prüfen und Entscheidungen treffen

 

Grundsätzlich ist und war er der Ansicht, dass in der Öffentlichkeit nur Unwahrheiten über Scientology kursieren.

Er hat mir mehrfach Vorurteile unterstellt (mich sofort mit der Allgemeinheit gleichgesetzt), mir also die Fähigkeit oder den guten Willen für eine objektive Auseinandersetzung mit der Sache abgesprochen.

Er hätte sich aber gewünscht, dass ich die Herausforderung annehme, da wir uns ja schon sehr nahe gekommen waren.

Er hat mir den Link “Scientology-Fakten” geschickt; dort wird selbstverständlich alles aus SO-Sicht präsentiert; diese meine Wahrnehmung habe ich ihm vermittelt.

Renate: “Du bist im Rechtfertigungsmodus und fühlst Dich angegriffen. Was in den Zeitungen steht, stimmt nicht, die Medien haben nicht die richtigen Infos, es wird nicht richtig recherchiert, die Realität ist eine andere, in anderen Ländern hat SO einen ganz anderen Stellenwert … Ich kann nicht glauben, dass nur die einen die Wahrheit sagen und von allen anderen nur Falsches in die Welt gesetzt wird… Vielleicht habe ich es nicht ganz verstanden, warum gerade die Methode der Scientologen die besseren Menschen hervorbringen soll..

Kommentar, XY [du kannst dich damit beschäftigen, vielleicht verstehst du es dann, das jetzt zu erzählen, würde einem Roman gleichkommen].

Renate: „Aber ich glaube, verstanden zu haben, dass Scientologen sich abgrenzen..

Kommentar, XY [sehe ich nicht so]

Renate: „und nach ihrer geistigen und spirituellen Neuerung den Anspruch darauf erheben, dass Ihre Art, die Welt zu verbessern, die einzig wahre ist.”

Kommentar, XY [Ich will jetzt gar nicht auf alles eingehen. Aber ich möchte nicht, dass du mich unterscheidest als die „Person XY“ und dann als Gegensatz den „SO-XY“. Sorry: lass wirklich die Vorurteile weg. Das ist nicht in Ordnung, deshalb habe ich dir in der letzten Mail Provokationen geschrieben (da bin ich hart, weil es grundlegende Religionsfreiheit, Toleranz und Menschenrechte gibt). Da sollten wirklich erst die Fakten geprüft werden. Ich habe gelernt als Mensch frei zu denken, mich zu entwickeln (vieles mit Hilfe von Techniken und Methoden in Scientology), mein eigenes „Ich“ oder „Selbst“ zu finden oder besser zu verstehen. Ich versuche als XY, als SO und als Mensch zu prüfen, was für mich, meine Kinder und die Gesellschaft am förderlichsten ist, etc…. Da gibt es keinen Gegensatz!              Ich finde die Haltung wirklich nicht in Ordnung zu sagen, „mit einem Scientologen möchte ich nichts zu tun haben“. Das sind Vorurteile!]

Ich habe die Beobachtung durch den Verfassungsschutz angesprochen, was er abgetan hat und ich habe ihn mit einem Zitat aus “SCIENTOLOGY – Eine kritische Bestandsaufnahme” (Hrsg. Senatsverwaltung für Bildung, Wissenschaft und Forschung, Berlin) konfrontiert: “Eine echte Psychotherapie hat das Ziel, die Autonomie des Patienten zu stärken, ihm zu größerer innerer Selbstständigkeit und auch zur Ablösung vom Therapeuten zu verhelfen. In Scientology und Dianetik wird ganz bewusst das Gegenteil angestrebt mit dem Ziel der Machtausübung”

Kommentar, XY [sorry, das ist doch echt Quatsch oder Vorurteil].

Dem zweiten Link Scientology-TV habe ich mich verweigert, den Film über SO in Kolumbien hatte ich ja schon gesehen …

Renate: “Außenwirkung: Scientology-TV werde ich mir nicht anschauen; derartig idealisierte, teilweise manipulative (unterstelle ich) Darstellungen mag ich nicht, übrigens auch nicht von anderen Gruppierungen und Organisationen.”

Kommentar, XY [>> manipulativ???? Ich gehe jetzt provokativ wieder geschichtlich zurück: dann hat auch Jesus seinen Anhängern völlig manipulative Geschichten erzählt oder seine „Jünger“ beim Abendmahl völlig manipuliert??]

Fakten prüfen und sich vorurteilsfrei informieren, dann Entscheidungen treffen, das war zu allen meinen kritischen Fragen und Bemerkungen seine Standardantwort.

Wenn ich es richtig beurteile, sind “Fakten” (habe ich heute u. a. unter https://www.scientology.de/scientology-today/church-openings/grand-opening-stu ttgart.html gelesen) ein wichtiger Bestandteil der Strategie bei SO. >> z. B. Hefte “Fakten über Drogen”.

Anmerkung Krokodil (alles was Scientology berichtet, sind die Fakten.)

 

Aufklärung der Bevölkerung

Bei unserer ersten Begegnung habe ich ihm über meine schweren Lebensjahre berichtet, die ich mit Hilfe einer Langzeittherapie und auch mit nach meinem Wunsch verordneten Psychopharmaka gemeistert habe.

Am Samstag nach seiner Offenlegung kam das Thema Psychopharmaka – für mich völlig überraschend – zur Sprache.

Kommentar, XY “WIR Scientologen lehnen Psychopharmaka ab.”

Schon meine Aussage vor ein paar Tagen, dass ich PP nähme, hätte ihn geschockt.               Ich habe ihm erläutert, dass der Wirkstoff “Sertralin” heißt, dass mir der genaue Fachausdruck aber gerade nicht einfiele.

Ich habe per Mail nachgeliefert:

Renate: “habe nachgeschaut wg. Sertralin: Sertralin gehört zu den selektiven Serotonin-Wiederaufnahmehemmern (SSRIs). Diese Gruppe hemmt im Gehirn die Rückaufnahme des Botenstoffes Serotonin in die Zellen, so dass die Konzentration im synaptischen Spalt ansteigt. Serotonin = Glückshormon; wenn es in die Zellen abfließt (Rückaufnahme), wird es dort (den Synapsen) entzogen, wo es wirkt.”

Kommentar, XY “Liebe Renate, ich habe das auch gefunden. Es ist nicht das Schlimmste, das existiert. Ich würde es trotzdem absetzen. Auch hier lohnen die Nebenwirkungen nicht. Trotzdem kann ich dich verstehen. Wenn es einem „dreckig“ geht und man hat keine anderen Infos… LG”

Ich war entsetzt: er würde absetzen … und “man hat keine anderen Infos …” Ich habe also auf die falschen Fakten gesetzt …

Heute habe ich gelesen, was hinter seiner Aussage steckt: Durch die Arbeit der Citizens Commission on Human Rights, einer gemeinnützigen Organisation, die von der Scientology Kirche gegründet wurde, hat die Kirche auch über 70.000 Bewohner Baden Württembergs über die Gefahren des Missbrauchs von Psychopharmaka aufgeklärt.

Bei unserer Verabschiedung, die sehr schmerzhaft für mich war, weil es ja noch die anderen, Nicht-SO-Erfahrungen, Emotionen und so viele Gemeinsamkeiten gab, habe ich ihm vermittelt, dass meine ablehnende Haltung gegenüber SO nicht vordergründig aus Vorurteilen resultiert, sondern weil ich nicht die Kraft dafür aufbringen möchte, mich damit auseinanderzusetzen.

Nachdem ich heute den selbstverherrlichenden Bericht über die Einweihung der Ideale Org Stuttgart, bereits vor Tagen den Zeitungsbericht von Frau Bilger gelesen hatte und heute auf die “Aufklärungsgruppe Krokodil“ / EBIS e. V. gestoßen bin, kann ich sagen, dass meine allererste Reaktion und die sofortige, intuitive Entscheidung, mich zu distanzieren, richtig war und ist.

Neben dem Schmerz über den Verlust des liebenswerten Menschen XY bleibt vor allem ein großes Unbehagen bezüglich der Scientology Organisation.

Ich hoffe sehr, dass SO-Kampagnen und die Verbreitung der “Fakten” (in einem Absatz heißt es ja: “Außerdem werden auch das von der Kirche gesponserte Programm … in der ganzen Region unerbittlich vorangetrieben.”) – zumindest in Deutschland – keinen durchschlagenden Erfolg haben werden.

Von daher finde ich es wichtig, dass es solche Aufklärungsplattformen wie Krokodil / EBIS gibt. Ihr Beitrag zu SO hat mir sehr geholfen.

Vielleicht kann ich auch ein wenig zur Aufklärung beisteuern.

 

RESONANZ auf diesen Beitrag

Am 28.10.2018 erreichte die Aufklärungsgruppe Krokodil folgende E-Mail von einem auch anonym belassenen Mann. Auch er hat seine Erfahrungen mit Scientology gemacht.

Er schreibt folgendes:

Erst einmal möchte ich „Renate“ alles Liebe und Gute für die Zukunft wünschen.            Das sie schmerzlichen Erfahrungen der letzten Zeit als auch die Entäuschung mit „XY“ eines Tages hinter sich lassen und optimistisch in die Zukunft schauen kann.

 Ich vermute mal, dass „Renate“ nicht dass Hintergrundwissen über Scientology hat, wie es jemand hat, der sich kritisch mit dieser totalitären Organisation auseinander setzt, was jetzt aber keine Kritik oder abwertend sein soll, sondern einfach eine Feststellung ist.

 Ich setzte mich jetzt seit fast 25 Jahren äußerst kritisch mit dieser totalitären Organisation auseinander, und auch das nur, weil ich 1986 mit Scientology in Kontakt gekommen bin, ohne Anfangs auch nur die geringste Ahnung zu haben, mit wem ich es da zu tun habe.

Bei mir war es der klassische Weg über den Persönlichkeitstest.    

Erst aus meinem persönlichen Umfeld wurde ich darauf aufmerksam gemacht, mit wem ich es da zu tun habe und habe dann auch sofort die Bremse gezogen und mir jeglichen Kontakt seitens Scientology verboten, was auch eingehalten wurde.

Hatte ich dass Thema Scientology erst einmal für mich abgehakt, so bin ich ein paar Jahre später nach meinem Umzug von „A“ nach „B“  wieder auf das Thema aufmerksam geworden, als 2 Berliner Journalisten in „B“ einen Vortrag über Scientology abgehalten haben, in dem sie eine Neuauflage ihres Buches vorgstellt haben. Und erst nach dem Lesen dieses Buches ist mir erst bewusst geworden, wie gefährlich Scientology ist und seitdem trage ich meinen Teil dazu bei, die Bevölkerung darüber aufzuklären, wer bzw. was Scientology wirklich ist.

Was ich damit sagen möchte, ist, dass die Menschen sich erfahrungsgemäß nicht (intensiv) kritisch mit Organisationen wie Scientology auseinander setzen, wenn es dazu keinen Anlass gibt, sondern erst dann, wenn sie irgendeiner Form mit ihr in Kontakt geraten, was jetzt aber keine Kritik sein soll, sondern einfach nur eine Feststellung ist.

„Renate“ möchte ich noch mitteilen, dass ihre Entscheidung, sich nach kurzer Zeit von „XY“ zu trennen oder diese angehende Beziehung erst gar zu vertiefen, die einzig richtige Entscheidung war, auch  wenn es für sie jetzt noch schmerzlich sein mag. 

 Fakt ist nämlich, dass sie garantiert irgendwann selbst in Scientology hinein geraten wäre, hätte sie diesen Schritt nicht getan, denn Scientologen sind darauf gedrillt, neue Leute für Scientology anzuwerben.

Ich habe es in Stuttgart in der Fußgängerzone wiederholt beobachtet.                               Die sind „mit allen Hunden“ gehetzt, wie man so schön sagt. 

 Und gerade Personen , die erst kurz zuvor eine oder mehrere schmerzliche Erfahrungen gemacht haben, egal welche dass jetzt waren, sind besonders anfällig für Scientology, suchen sie doch meistens Halt bei Anderen und geraten dabei an die falschen Leute.

 Ich denke: „Renate“ hat die einzig richtig Entscheidung getroffen.                                       Ihr ist sehr viel Leid erspart geblieben, nicht nur emotional, sondern  auch finanziell.        Denn früher oder später wäre ihr es nicht erspart geblieben, Scientologin zu werden, um XY zu halten und so wäre auch sie in deren Maschinerie geraten.

 Neu ist mir allerdings, dass es Scientology jetzt auch versucht, über Partnervermittlungen an neue Mitglieder heran zu kommen, denn ich glaube nicht, dass es sich hier um einen Einzelfall handelt.

 Deshalb find ich es auch gut, dass „Renate“ diesen Fall öffentlich gemacht und mit zur Aufklärung beigetragen hat.

 Und deshalb möchte ich zum Schluß „Renate“ nochmals alles Liebe und Gute für die Zukunft wünschen.“

 

„Renate“ antwortete auf das Resonanz-Schreiben (oben):

Lieber Unbekannter, vielen Dank für Ihren Beitrag und die guten Wünsche.                     Jeglicher Zuspruch in Bezug auf das Thema Scientology tut mir gut und hilft mir.                  Die Auseinandersetzung mit einem Thema entspricht meinem Naturell, kostet aber auch viel Kraft und Zeit. So hoffe ich, dass mich alles in diesem Zusammenhang Erfahrene und Unterstützende stärken und weiterbringen und mir das Verarbeiten leichter machen wird.

Da ich mich also mit dem Thema Scientology jetzt doch mehr auseinandergesetzt habe, möchte ich zu verschiedenen Passagen in Ihrem Beitrag eingehen.                                          Es ist richtig, dass mein Wissen über Scientology wahrscheinlich dem eines durchschnittlich informierten und allgemeingebildeten Menschen entspricht.                     Voll zutreffend ist, “… , dass die Menschen sich erfahrungsgemäß nicht (intensiv) kritisch mit Organisationen wie Scientology auseinander setzen, wenn es dazu keinen Anlass gibt, sondern erst dann, wenn sie irgendeiner Form mit ihr in Kontakt geraten, …”                                                                                                                                                          Das habe ich sogar direkt ausgesprochen, als ich XY vermittelt habe, dass ich mit meinem Lebensentwurf zufrieden bin, dass ich mit meiner Spiritualität/Religion in der örtlichen Kirche(ngemeinde) beheimatet und engagiert sowie in (m)einem familiären, sozialen Umfeld so verankert bin, dass ich keinen Anlass und Grund sehe, mich mit Scientology auseinanderzusetzen. Ich habe weiter vermittelt, dass ich nicht die Kraft dafür aufbringen möchte, weil ich meine Kraft für andere, wichtigere Dinge benötige. Aufgrund meiner “stabilen” Lebenssituation würde ich mich also nicht als gefährdet einschätzen.

Nach Recherchen, Gesprächen, Lektüre verschiedener Abhandlungen (sowohl kritisch, aufklärerisch als auch scientologisch oder scientologynah) … wird das Unbehagen, welches ich sofort gespürt habe, als XY mir die Zugehörigkeit zu Scientology eröffnet hatte, nicht weniger, sondern eher größer. Und so langsam kann ich auch die Dimension erahnen, was es heißt, mit Scientology oder Scientologen in Berührung gekommen zu sein bzw. zu kommen.

Es ist auch richtig, dass frau/man nach schweren Lebenserfahrungen aufgrund der Sehnsucht nach Partnerschaft, Geborgenheit, einem Gegenüber auf Augenhöhe, … empfänglicher für vermeintlich vielversprechende Lebensmodelle/-gesinnungen ist/wird. Für mich waren aber genau meine schweren Lebenserfahrungen und Bearbeitung derselben in einer Langzeittherapie, aus der ich gestärkt hervorgegangen bin, die Triebkraft, kritisch oder auch vorsichtig mit einer entgegen all meiner Vorstellungskraft eingetretenen Situation umzugehen. So hatte ich unmittelbar nach Kenntnis von XYs Zugehörigkeit zu SO für mich jeglichen Kontakt mit Scientologen und/oder deren Veranstaltungen ausgeschlossen, um mich, mein Leben, meine materiellen Gegebenheiten – nicht auf- oder preiszugeben, sondern zu schützen.

Ich kann jedoch nicht einschätzen, und da möchte ich Ihnen – zumindest, was meinen Fall angeht – widersprechen, ob “… es Scientology jetzt auch versucht, über Partnervermittlungen an neue Mitglieder heran zu kommen, denn ich glaube nicht, dass es sich hier um einen Einzelfall handelt.”

Genau wie ich hatte XY eine geschiedene Ehe, eine Familientrennung hinter sich und war – wie ich – auf der Suche nach einer neuen Beziehung. Bei unseren persönlichen Begegnungen war nichts “Verdächtiges” zu spüren, sondern die vielen Gemeinsamkeiten bezüglich der jeweiligen Lebensgeschichte, Beruf/Ausbildung und beruflicher Tätigkeit, Interessen in allen Lebensbereichen, … waren vordergründig und eine bereichernde Erfahrung. Ich habe mich nicht zu irgendetwas gedrängt gefühlt.

Mein Gefühlschaos wurde genau durch diese Tatsache hervorgerufen.                                 Auf der einen Seite hatte ich einen lieben und liebenswerten Menschen kennengelernt und war optimistisch, dass sich eine ernste Partnerschaft daraus entwickeln könnte, auf der anderen Seite wirkt/e Scientology auf mich befremdlich, bedrohlich und überhaupt nicht offen. XY wirkte vollkommen überzeugt, er war und ist sich seiner Sache zutiefst sicher. Der Trennungsschmerz ist echt krass.                                                                                             Aber mein Leben mit einem von mir zweifellos sehr lieb gewonnen Menschen YX wäre es nicht wert, für den Scientologen XY auf’s Spiel gesetzt zu werden.                                      Dabei lege ich Wert darauf, dass meine Entscheidung, die Beziehung zu beenden, rein der Tatsache geschuldet ist, dass XY SO angehört, und nicht, weil er mich als Mensch oder als Person enttäuscht oder gar geschädigt hätte. Das war nicht der Fall!

Bei der Partnervermittlung sollen Angaben zu “Religion” gemacht werden.      XY hat angegeben: “andere Religion”, im Freitext kann man/frau sich noch individuell dazu äußern. Ich habe XY damit konfrontiert, dass ich niemals Kontakt aufgenommen hätte, wenn unter Religion “Scientology” gestanden hätte.* Seine Reaktion war entsprechend scharf.

Partnervermittlung: Ich bin nach wie vor auf der Suche nach einem neuen Partner und habe festgestellt, dass auch XY weiterhin aktiv sucht. *

Ein Thema wie “Scientology” kann wahrscheinlich nie abschließend behandelt werden, aber für mich steht der Fortgang meines Lebens mit allen Herausforderungen, für die ich meine Zeit und Kraft brauchen werde, nun wieder im Vordergrund.                              Abschließend möchte ich nochmals zum Ausdruck bringen, dass ich froh bin, in die Auseinandersetzung mit dem Thema Scientology eingestiegen zu sein und sich mir über alle Kontakte und Beiträge ein geschärftes Bild und eine gefestigte Einstellung erschlossen hat. Ich bin dankbar für jeden Impuls und hoffe, mit meinen Berichten und Erfahrungen einen kleinen Teil zur Aufklärungsarbeit beitragen zu können.

 

* Fettdruck von der Aufklärungsgruppe Krokodil

 

Anmerkung der Aufklärungsgruppe Krokodil:

Vielen Dank „Renate“ für Deine offenen und beherzten Schilderungen.

Liebe Leser, wenn Sie sich auch auf Partnersuche befinden oder befanden und ähnliche Erfahrungen gemacht haben, so wenden Sie sich per E-Mail an uns.

Hier einige TIPPS bei der Partnerwahl:

In „Renates“ Fall war die Partnervermittlung eine aus Baden-Württemberg. Aber überall auf der Welt suchen auch Scientologen ihren Partner bwz. ihre Partnerin vielleicht auch über eine Partnervermittlung. Fragen Sie daher vorher bei der Partnervermittlung direkt nach, wie diese über das Problem denkt und schauen Sie wie darauf reagiert wird.        Meist zahlen Sie ja Geld für die Vermittlung.

Sprechen Ihren gewählten Partner frühzeitig, nicht erst nach einer engeren bzw. körperlichen Beziehung,  auch auf seinen Eintrag bei der „anderen Religion“ an.          Somit vermeiden Sie vielleicht, das die Trennung  zur „Herzenssache“ wird.

Google und andere Suchmaschinen im Internet enthalten viele Informationen und bei  „Nebensächlichkeiten“ schaut Jeder gern dort rein und informiert sich.  Aber auch über die zukünftige Person Ihres Lebens könnte dort etwas stehen. Man muss nur wissen wo man suchen muss und welche Eingaben sinnvoll sind. Probieren Sie es zum Beispiel unter www.truthaboutscientology.com.

Wenn Sie etwas gefunden haben was Sie skeptisch macht, dann fragen Sie gegebenenfalls zur Sicherheit bei einer Beratungsstelle nach oder sprechen Sie ihr Gegenüber direkt darauf an.

 

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