2018 Neues von der „Nigeria-Connection“- Betrüger mit neuer Story im alten Gewand. Verhaftungserfolg !

Ein Bericht von

Jörg Stolzenberger

Aufklärungsgruppe Krokodil

  1. Januar 2018

 

 

Heute erreichte die Aufklärungsgruppe Krokodil folgende E-Mail von einem

angeblichen  Herrn Mavis WANCZYK, der sich als Gewinner eines 758 Millionen Dollar Jackpots  ausgibt:

 

„Mein Name ist MAVIS WANCZYK. Ich habe gewonnen $ 758,7 Millionen Gewinner der Massachusetts State Lottery Powerball Jackpot im August 2017.i Ich habe eine Spende von 4.800.000,00 EURO.i geben Sie diese Spende, um Ihnen zu helfen und Ihnen helfen, Ihre Community zu entwickeln.Mail uns auf (..)“

(Fehler im Original) (1)

 

Wieder nur ein Trick im Abklatsch der sogenannten „Nigeria Connection“ um an dumme Leute zu gelangen, welche schon mit triefender Zunge vorm Computer sitzen und meinen, dass Sie bald im Reichtum schwelgen.

Wir berichteten bereits in den vergangenen Jahren über die Betrüger und deren Masche.

Aber es scheint wieder einmal nötig, neu auf die Betrüger-Connection hinzuweisen, denn das grenzenlose Vertrauen mancher Menschen fängt da an, wo es um viel viel Geld geht, das einem versprochen wird, seien es spekulative hohe Zinsen oder einfach nur viel Cash!

Zu Beginn des neuen Jahres 2018 berichtete die Presse, dass die Polizei im US-Bundesstaat Louisiana einen 67-jährigen Mann festgenommen habe, der als Teil eines kriminellen Netzwerks an einer der bekanntesten E-Mail-Betrugsmaschen mitgewirkt haben soll: an der Mär vom nigerianischen Prinzen.(2)

Die meisten Menschen mit E-Mail-Postfach dürften von dem Trick in einer seiner zahlreichen Versionen schon einmal gehört haben: Per E-Mail wird man etwa davon unterrichtet, dass man das Vermögen eines Prinzen aus Nigeria geerbt hat. Oder darüber, dass Millionensummen von den Konten ehemaliger Machthaber ins Ausland transferiert werden sollen, und zwar mithilfe des angeschriebenen Opfers. Das soll für die Transaktion beispielsweise Zugang zu seinem Bankkonto gewähren oder bestimmte Gebühren zahlen. Als Belohnung für die Hilfe wird den Opfern ein Teil des angeblichen Vermögens versprochen. (2)

Über Facebook hat nun das Slidell Police Department bekannt gegeben, nach 18-monatiger Ermittlungsarbeit einen Verdächtigen gefasst zu haben, der mit dieser Masche offenbar Erfolg hatte.

Michael N. wird demnach vorgeworfen, als Mittelsmann an 269 Fällen von Betrug und Geldwäsche beteiligt gewesen zu sein und unter anderem Geld an Komplizen in Nigeria weitergeleitet zu haben. Dort existiert seit Jahren ein erfolgreiches Betrugsnetzwerk, das etwa laut der „Süddeutschen Zeitung“ jährlich Schäden in Höhe von Hunderten Millionen Euro verursacht. (2)

Viele spotten über die Masche – doch sie ist offenbar erfolgreich

Dabei ist der sogenannte „Nigeria-Scam“ schon lange bekannt.

Die „New York Times“ verweist anlässlich der aktuellen Festnahme noch einmal darauf, dass die ersten entsprechenden Betrugsbriefe schon 1989 per Telex verschickt wurden.

Seitdem gibt es viele verschiedene Arten.

Manchmal wurden für den Betrug Webseiten von Banken oder Behörden gefälscht, um die Sache plausibler erscheinen zu lassen. In vielen Fällen aber sind die E-Mails so unprofessionell, die Geschichten so haarsträubend, dass sich rund um den ominösen nigerianischen Prinzen längst ein Internet-Mem entwickelt hat.

Die Geschichten sind wohl absichtlich haarsträubend

Schon vor Jahren hat ein Microsoft-Forscher herausgefunden, dass die E-Mails der sogenannten „Nigeria-Connection“ wohl absichtlich so haarsträubend sind. Seine These: Wer eine völlig abstruse Geschichte glaubt – dass ein nigerianischer Prinz ihn zum Erben bestimmt hat – ist leichtgläubig genug, um auch bei den weiteren Schritten noch mitzumachen, also auch tatsächlich Geld zu überweisen. Die irre Geschichte ist demnach eine Art Filter, schließlich gehe es den Kriminellen nicht darum, möglichst viele skeptische Rückfragen zu beantworten. Vielmehr sei der Massenbetrug auf Effizienz aus, verdeutlicht die Studie. (2)

Anlässlich des aktuellen Falls warnen die amerikanischen Polizisten noch einmal eindringlich davor, Bankdaten und persönliche Informationen per E-Mail oder Telefon an Fremde weiterzugeben oder sich an irgendwelchen Transaktionen zu beteiligen. Sollte sich jemand am Telefon als Behördenmitarbeiter ausgeben, solle man um eine Rückrufnummer bitten und sich vergewissern, dass der Anrufer wirklich der ist, als der er sich ausgibt. (2)

„Bekomme ich jetzt meine Million Dollar doch noch?“

Nicht zuletzt hilft bei überraschenden Versprechungen per E-Mail oft ein Plausibilitätscheck, erklärt Amtsleiter Randy Fandal vom Slidell Police Department: „Wenn es zu schön klingt, um wahr zu sein, ist es das wahrscheinlich auch.“ (2)

Nachdem die Festnahme vor wenigen Tagen auf Facebook bekannt gegeben und von den US-Medien aufgegriffen wurde, machte sie schnell die Runde in den USA und im Netz. Unter anderem auf Reddit stellen Nutzer die Frage, wer denn auf den „20 Jahre alten Trick“ überhaupt noch hereinfalle. (2)

Ein Kommentator gibt zu bedenken, bei Millionen verschickten E-Mails genüge bereits ein einziger Empfänger, der anbeiße. Schon damit werde die Sache für die Betrüger wohl zum lukrativen Geschäft. (2)

Unter dem Polizei-Statement auf Facebook wird die Festnahme ebenfalls ausführlich diskutiert – wenn auch nicht besonders ernsthaft: „Es gibt ihn wirklich!“ schreibt ein Nutzer unter das Bild des grauhaarigen weißen Mannes, der – kaum überraschend – so gar nicht zur Vorstellung eines adligen Nigerianers passen will. „Ich glaube, er ist gar kein Nigerianer!“, kommentiert ein anderer entsprechend, und ein Dritter fragt: „Also, bekomme ich jetzt meine Million Dollar doch noch?“ (2)

Viele Menschen sind genervt von der Flut, der immer wieder ein wenig veränderten Abzocke-E-Mails. Matthias ist einer davon, der sich im Internet Luft gemacht hat. (3)

Und nun kleidet sich wieder ein Betrüger mit dem alten Gewand der „Nigeria-Connection“, allerdings mit neu erfundener Story.

Hoffentlich fällt keiner mehr auf diese Masche herein!

Hier einige Tipps der Aufklärungsgruppe Krokodil, welche auch mit der Polizei abgestimmt sind, wie Sie auf solche Schreiben reagieren sollten:

  • Antworten Sie auf keinen Fall auf Schreiben der o.a. Art
  • Geben Sie weder Ihre persönlichen Daten noch persönlich Kontonummern oder Kontonummern Ihrer Firma bekannt
  • Bewahren Sie wichtige Dokumente wie Bankunterlagen, Pässe, Personalausweise, Fax-/Telefonnummern, Versicherungspolicen, Briefbögen Ihrer Firma, Verträge etc. sicher auf
  • Vereinbaren Sie keinerlei Treffen
  • Reisen Sie nicht zum Abschluss solcher „Geschäfte“ ins Ausland; es besteht ein hohes Risiko für Leib und Leben

Sollten Sie einen Brief erhalten haben, der unter Berücksichtigung der oben erwähnten Kriterien in betrügerischer Absicht geschrieben worden ist, unternehmen Sie einen oder mehrere der folgenden Schritte:

  • Ignorieren Sie das Schreiben
  • Klären Sie Ihre Bekannten und Freunde präventiv über die Gefahr derartiger Schreiben auf
  • Informieren Sie die örtliche Polizeidienststelle bei massiven Angriffen auf das eigene Vermögen (bereits geleistete Zahlungen) oder die eigene Gesundheit (Drohungen)

An dieser Stelle will ich auf ein Informationsblatt der Bayrischen Polizei hinweisen, welches sich auch mit der „Nigeria-Connection“ und dem sogenannten Vorauszahlungsbetrug beschäftigt. (4)

Klick (pdf) unten:

ib_vorauszahlungsbetrug_2011-10_1_

 

Quellen:

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