Auszug aus dem Bundesverfassungsschutzbericht 2016, Herausgegeben Juni 2017; zur Scientology-Organisation.

 

Bundesverfassungsschutzbericht 2016

Der Verfassungsschutzbericht 2016 ist am 4. Juli 2017 von Bundesinnenminister Dr. Thomas de Maizière und Bundesverfassungsschutzpräsident Dr. Hans-Georg Maaßen der Öffentlichkeit vorgestellt worden. Herausgeber: Bundesministerium des Innern. Über die „Scientology-Organisation“ (SO) wird hier folgendes berichtet:

 

 

 

Die „Scientology­ Organisation“ (SO) ist ihrem Ziel, in Deutschland eine scientologische Gesellschaft zu etablieren, im Jahr 2016 nicht nähergekommen. Die Mitgliederzahl in Deutschland stagniert derzeit bei rund 3.500 Personen. Die Anzahl der öffentlichkeitswirksamen Aktivitäten – wie beispielsweise die „Feierlichkeiten“ der „Scientology Kirche Hamburg e.V.“ im Juni 2016 anlässlich 43 Jahren Präsenz in der Stadt – ist weiterhin gering. Eine Beständigkeit zeigt die SO in der Durchführung von Informationsständen in verschiedenen Städten.

„Wahre Demokratie“ ist nach dem Organisationsgründer und der ideologischen Leitfigur L. Ron Hubbard (1911–1986) nur möglich in einer Nation von „Clears“ – den mittels scientologischer „Techniken“ geformten Menschen. Alle anderen Personen werden nicht als gleichwertig betrachtet. Hubbard hat die von ihm angestrebte Gesellschaftsform unter anderem als „Rechtsordnung“ beschrieben, in der die Existenz des Einzelnen vom willkürlichen Ermessen der SO abhängt. Grundrechte stehen demzufolge nur denjenigen zu, die aus Sicht der Organisation zu den „Ehrlichen“ gehören. Die SO strebt weiterhin eine Gesellschaft ohne allgemeine und gleiche Wahlen an und lehnt das demokratische Rechtssystem ab. Dieses soll langfristig durch einen eigenen Gesetzeskodex ersetzt werden. Nach außen hin versucht sie sich hingegen als unpolitische und demokratiekonforme Religionsgemeinschaft zu präsentieren.

Aus den maßgeblichen und nach wie vor gültigen Schriften Hubbards ergibt sich, dass das Fernziel der Schaffung einer Gesellschaft nach scientologischen Vorstellungen durch eine langfristig ausgerichtete Expansionsstrategie, durch eine Erhöhung der finanziellen Einnahmen der Organisation sowie durch die Bekämpfung ihrer Kritiker erreicht werden soll. Der totalitäre Charakter der SO kommt unter anderem dadurch zum Ausdruck, dass eine weitgehende Kontrolle über alle Mitglieder angestrebt wird. Diese werden beispielsweise dazu aufgefordert, „Wissensberichte“ über alle „unterdrückerischen Handlungen gegen Scientology oder Scientologen“ sowie das „Fehlverhalten“ von Gruppenmitgliedern zu verfassen.115

115 Homepage „Religious Technology Center“ (13. Dezember 2016).

 

 

Ideologie

Um ihre Einflussmöglichkeiten zu vergrößern, ist die SO

 bemüht, die Wirtschaft zu unterwandern. Hierzu dient die SO­Teilorganisation „World Institute of Scientology Enterprises“ (WISE) – ein Zusammenschluss unternehmerisch tätiger Scientologen.

Um sich den Anschein einer wohltätigen Religionsgemeinschaft zu geben, betreibt die SO diverse Kampagnen für angebliche Sozialprogramme und vermeintliche Hilfsorganisationen:

  •  ■ Der Verein „Sag NEIN zu Drogen – Sag JA zum Leben“ soll insbesondere Jugendliche über Drogenmissbrauch und ­prävention aufklären.                                                                                                                                   ■ „NARCONON“ dient als Anlaufstelle für Drogenabhängige.                                                                                                                ■ „CRIMINON“ bietet Hilfeleistungen für Straftäter an.                                         ■ Die „Kommission für Verstöße der Psychiatrie gegen Menschenrechte Deutschland e.V.“ (KVPM) will angebliche Missbräuche und Menschenrechtsverletzungen in der Psychiatrie aufdecken und bekämpfen.                                                                                                                               ■ Ziel der Initiative „Jugend für Menschenrechte“ („Youth for Human Rights“) ist es, „Jugendliche auf der ganzen Welt über Menschenrechte aufzuklären“116.                                                                                                                      ■ „Applied Scholastics“ stellt ein Lernprogramm für Schüler und Studenten dar.

Mit dem Leitfaden „Der Weg zum Glücklichsein“ gibt die SO eine Handreichung für alltägliche Lebensfragen heraus. Die „International Way to Happiness Foundation“ führt entsprechende Schulungen durch.

Die SO nutzt das Internet als zentrale Propaganda­ und Werbeplattform.           Mittels sozialer Netzwerke versucht sie, Imagepflege und Mitgliederwerbung zu betreiben. Mit zahlreichen multimedialen Angeboten will sie Jugendliche direkt erreichen. Nach wie vor werden verstärkt kostenlose „Online­Kurse aus dem Scientology Handbuch“ angeboten, um Interessenten an das kostenintensive SO­Angebot heranzuführen. Bei einigen dieser Websites ist der Bezug zur SO nicht unmittelbar ersichtlich.

116 Homepage „Jugend für Menschenrechte“ (1. Februar 2016).

 

Das Verwaltungsgericht Berlin urteilte am 31.  Mai 2016, dass einem Mitglied der SO der Zugang zu Unterlagen, die einer Geheimhaltung unterliegen („Verschlusssachen“) verweigert werden darf. Durch die Zugehörigkeit zur SO bestünden berechtigte Zweifel sowohl an der Zuverlässigkeit der Person als auch an deren jederzeitigem Eintreten für die freiheitliche demokratische Grundordnung. Insbesondere bei SO­typischen Befragungsmethoden („Auditing“) bestehe die Gefahr, dass das SO­Mitglied geheimhaltungsbedürftige Informationen offenbare.117

117 VG Berlin, Urteil vom 31.05.2016 – VG 4 K 295.14. Das Urteil ist rechtskräftig.

 

Gründung: 1954 in den USA 1970 erste Niederlassung in Deutschland

Sitz: Los Angeles (USA) („Church of Scientology  International“, CSI), München (Bayern) („Scientology Kirche  Deutschland e.V.“, SKD)

Leitung/Vorsitz: USA: David Miscavige Deutschland: Helmuth Blöbaum

Mitglieder/Anhänger in Deutschland:

3.500 (2015: 3.000 – 4.000)

Publikationen/Medien: (Auswahl)

Zeitungen/Zeitschriften: „Impact“ „International Scientology News“ „The Auditor“ „Source“ „Freewinds“.

 

Teil-/Nebenorganisationen: (Auswahl)

neun „Kirchen“ in Deutschland, darunter zwei „Celebrity Centres“ „Office of Special Affairs“ (OSA) „International Association of Scientologists“ (IAS) „World Institute of Scientology Enterprises“ (WISE) „Association for Better Living & Education“ (ABLE) „Kommission für Verstöße der Psychiatrie gegen Menschenrechte Deutschland e.V.“ (KVPM) „Sag NEIN zu Drogen –  Sag JA zum Leben“ „Jugend für Menschenrechte“ „NARCONON“ „CRIMINON“ „International Way to Happiness Foundation“

Nach wie vor sind die Schriften des Organisationsgründers L. Ron Hubbard (1911–1986) richtungsweisend. In ihnen wird deutlich, dass in einer Gesellschaft nach scientologischen Vorstellungen wesentliche Grund- und Menschenrechte, wie beispielsweise die Menschenwürde und das Recht auf freie Entfaltung der Persönlichkeit, ebenso wenig gewährleistet sind wie das Recht auf Gleichbehandlung.

 

Eingestellt von Jörg Stolzenberger, Aufklärungsgruppe Krokodil, 07.07.2017

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