Scientology und die Kritiker! Aus dem „Scientology Archive for category: Kritiker“!

Ein Bericht von

Jörg Stolzenberger

Aufklärungsgruppe Krokodil

07. Januar 2017

 

Scientology sammelt „Fakten“ und so baut sie, Tag für Tag, in ein Informationsportal der Scientology Kirche Deutschland e. V. im Internet aus, dass angebliche „Falschinformationen, Gerüchte und Spekulationen über Scientology richtigstellt“.

Zusätzlich findet jeder im Internet vorgenommene „Korrekturen und Stellungnahmen zu Filmen, Dokumentationen und Presseberichte über Scientology in Deutschland, sowie über humanitäre Projekte von Scientology Mitgliedern.“

Die Organisation bietet inzwischen ihre „Dienstleistungen“ schon in Computerkursen an.   Die scientologischen Kurse über „Integrität“ und andere, wurden in der virtuellen Welt freigeschaltet und der Proband kann Antworten auf die gestellten Fragen in 6-7 Stunden unter Aufsicht eines bzw. seines virtuellen Lehrers, in Form eines Kursüberwachers, ablegen. Seine Kursurkunde erhält er an die Postadresse gesandt.

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Screenshots oben: Eigendarstellung Scientology zu den kostenlosen Onlinekursen

 

Überall im Netz finden sich neue video-fragmentierte Seiten in denen sich bekennende, lächelnde Scientologen präsentieren.  Dabei scheinen die deutschen Scientologen die Scheu zu haben sich mit ganzem vollem Namen zu präsentieren und zu ihrer Organisation zu bekennen, in den USA und anderswo ist das anders.

Wo immer man genauer schaut, die Organisation bietet eigene Informationen, so zur Demokratie; Rechtsprechung; Religionswissenschaft; dem Landesverfassungsschutz  und natürlich auch über deren eigene Kritiker.

In dem  „Scientology  Archive for category: Kritiker“ finden sich im Jahresanfang 2017 bereits 23 Beträge. Sie beschäftigen sich unter der Rubrik „Wer ist“ mit namentlich genannten Scientology-Kritikern und ehemaligen Scientologen, die sich gegen die Scientology-Organisation negativ zu äußern wagten.

 

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Bild oben: Screenshot Archive for category: Kritiker

 

Man beschäftigt sich hier zum Beispiel mit dem Österreicher Wilfried Handl.

Der hochrangige Scientology-Aussteiger hatte sich mit seinem ehemaligen „Blog gegen Scientology“ und seinen Scientology-kritischen Büchern zum Feind der Organisation gemacht und laut Scientologen-Darstellung wird, er wie folgt, dargestellt (auszugsweise):

„Handl begann seine „Karriere“ als Mitglied der damaligen Scientology Mission in Wien im Jahre 1975. Seine Mitgliedschaft dauerte – mit Unterbrechungen von bis zu vier Jahren – von Mitte 1975 bis April 2002. Seine hauptamtliche Tätigkeit für die Wiener Gemeinde endete im Mai 1983. Während dieser Zeit wurde ihm seine Mitgliedschaft insgesamt dreimal aberkannt.

Scientology scheut sich auch an dieser Stelle nicht negatives Wissen über Handl zu verbreiten, was sie eigentlich nur im Rahmen ihrer angeblich religiösen „Ethikakten“ erfahren haben können, denn sie berichtet über Dinge die vor Handls Scientology-Karriere lagen:

 „Vor seinen beiden vorrübergehenden und aushilfsweisen Tätigkeiten in der Scientology Mission in Wien war Handl in der Zeit von 1971 bis 1974 Mitglied in einer kommunistischen Terrorzelle in Österreich mit dem Namen „Offensiv Links“.                  Laut eidesstattlicher Erklärungen von Handl war er in der besagten Gruppe in Trainingslagern in Kampftechniken (Schießübungen, Herstellung von Bomben und anderen Kampfmethoden, sowie der Haltung geheimer Waffenlager, die zum Einsatz gegen den österreichischen Staat gedacht waren) ausgebildet worden.“

 

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Bilder oben: Screenshots von der Eigendarstellung Scientology zu Handl

 

Man fragt sich: Warum nimmt Scientology dann solche gefährlichen Leute auf?

Und dann soll ein solch beschriebener harter Mann bei Scientology zum Bittsteller geworden sein?

Laut der Scientology-Organisation schon, denn es heißt weiter:

„Aufgrund seiner Bittschriften und seiner Versprechen, sich bessern zu wollen, gab man Handl jedes Mal eine neue Chance, so dass er wieder zur Mitgliedschaft als einfaches Gemeindemitglied zugelassen wurde. Diese endete endgültig im Jahre 2002.“

Weiter aufgeführt ist: der ehemalige Scientologe Mike Rinder.

Zu ihm teilt die Organisation (auszugsweise) mit:

„Mike Rinder wurde von David Miscavige (Anm. Jetziges Oberhaupt der Scientology-Organisation)  im Jahr 2002 wegen rechtlicher Vergehen und Inkompetenz von seiner Position als Verantwortlicher für externe Rechtsangelegenheiten der Scientology Kirche International (Executive Director of the Church of Scientology International’s Office of Special Affairs) enthoben. Anschließend hatte er Aufgaben eines Pressesprechers inne und unterstützte andere hauptamtliche Mitglieder, die mit rechtlichen Aufgaben betraut waren. Die Unaufrichtigkeit von Mike Rinder im Umgang mit Medien führte dazu, dass er auch von dieser Funktion enthoben wurde.

 

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Bild: Screenshot oben: Eigendarstellung Scientology zu Mike Rinder

Rinder wurde in Australien geboren. Seine Eltern wurden im Jahr 1960 Scientologen und in den späten 60ern als Gründungsmitglieder der Scientology Kirche anerkannt. Seine Mutter und seine Geschwister sind bis heute aktive Scientologen.

Nachdem Rinder 1973 die High School in Australien und England abgeschlossen hatte, arbeitete er für seinen Vater im Großhandel für Lebensmittel. Im selben Jahr trat er der Sea Org bei, einem religiösen Orden der Scientology Kirche. 1976 heiratete Rinder die zwanzigjährige Cathy Bernardini, ein hauptamtliches Mitglied der Sea Org.

Was ist von dieser „Karriere“ übrig geblieben? Von der Organisation wird er im Weiteren als „Lügner“ bezeichnet.

Auch in das „Scientology Archive for category Kritiker“ geschafft hat es der ehemalige Scientologe Mark Rathbun.

Laut Scientology-Darstellung wurde er „aus dem Amt des Inspector General im Religios Technical Center bereits 1993 entlassen, nachdem er sowohl dieses Amt als auch seine Ehefrau ohne ein Wort des Abschieds verlassen hatte. Rathbun tauchte vier Tage nach seinem Verschwinden in New Orleans auf. Zurück in der Kirche wurde ihm eine 2-jährige Auszeit gewährt.

Nach dieser Auszeit bekleidete Rathbun als Teil seiner Ausbildung verschiedene untergeordnete Positionen in der kirchlichen Einrichtung in Clearwater, Florida, dem spirituellen Zentrum der Kirche. Später erarbeitete er sich seinen Weg zurück in den Sektor Externe- und Rechtsangelegenheiten. Im Jahr 2002 wurde jedoch klar, dass Mark Rathbun zu seinen vorherigen Verhaltensmustern zurückgekehrt war: als sein Amtsmissbrauch offensichtlich wurde, entzog man ihm jegliche Position als Führungskraft.

Im Jahr 2004 wurde Mark Rathbun aus der Scientology Kirche ausgeschlossen. Kurz zuvor hatte er einen Scientologen so brutal verprügelt, dass dieser nur durch das beherzte Eingreifen von fünf anderen Scientologen gerettet werden konnte, die ihn mit Gewalt von seinem Opfer wegzogen. Das ist aber bei weitem noch nicht alles zu Rathbun. Gemäß seinen eigenen Aussagen haben seine inkompetenten Aktionen die Kirche mehrere Millionen Dollar gekostet.

Das wahre Ausmaß seiner Handlungen, oder sollte man besser sagen seiner kriminellen Energie, kam erst an Tageslicht, als Rathbun sich im Jahr 2009, Jahre nach seinem Austritt, einem Lokalblatt in Clearwater, Florida anbiederte, um so richtig „auszupacken“. Hier erst enthüllte er u. a., dass er Leute zum Meineid angestiftet und Beweismittel vernichtet hatte, seine Straftat wegen Verjährung aber strafrechtlich nicht mehr verfolgt werden könne. Hätte die Kirche zuvor davon Kenntnis gehabt, wäre Rathbun schon viel früher ausgeschlossen worden.“

Mark Rathbun  ist für die Organisation „der amerikanische Anti-Scientologe !“

In dieser Rubrik finden sich keine Zimperlichkeiten. Ausstieg und kritische Aussagen über die Organisation kommen bei Scientologen nicht gut an.

In dem  „Scientology  Archive for category: Kritiker“ finden sich aber nicht nur ehemalige Scientologen, sondern auch deutsche Kritiker von staatlichen Stellen, von Kirchen, oder auch der verstorbene Rechtsanwalt Ingo Heinemann wird erwähnt.

Ingo Heinemann bündelte seit den frühen achtziger Jahren in seinem Dachverband „AGPF“ die Interessen von Kritikern von sogenannten Sekten & Psychogruppen.

Ingo Heinemann war Derjenige, dessen Mülltonnen-Inhalt für die Scientologen besonders interessant war! Im Netz wird auf seinen Seiten darüber noch eindrucksvoll berichtet.

In der Freien und Hansestadt Hamburg wurde ab dem Jahr 1992 eine “Arbeitsgruppe Scientology” errichtet, weil die Hamburgische Bürgerschaft im Juni 1992 festgestellt habe, dass es Wissensdefizite über Praktiken, Einflüsse und Ausbreitung der Scientology gäbe und hier Abhilfe geschaffen werden müsse. Unter Leitung von Ursula Caberta hatte sie die erforderlichen behördlichen Aktivitäten zu koordinieren sowie Veranstaltungen im Bereich Öffentlichkeits- und Aufklärungsarbeit zu organisieren.

Scientology lernte Ursula Caberta während ihrer Amtszeit hassen und dies spiegelt auch der ausführliche Text „Abservierte Sektenjägerin“ zu ihr und der Politikerin Renate Rennebach wieder.

Am 22. November 2007 begab sich der freie Journalist Fredy Gareis unter dem Decknamen “Thorsten Brock” in die Scientology Kirche Berlin e. V. um sich als vorgebliches Mitglied aufnehmen zu lassen und 5 Monate lang eine Mitgliedschaft vorzutäuschen. Scientology befasst sich auch mit diesem Geschehen.

Es gebe noch viel mehr zu berichten, aber irgendwann muss man den Beitrag enden lassen. Wesentlich aber ist, die Scientology-Organisation läßt an ihren Kritikern kein gutes Haar. Scientologen, die über Jahrzehnte ihrer Organisation die Treue hielten  und von der Organisation ständig belobhudelt wurden, können sich bei einem Ausstieg auf einiges gefasst machen. Ausser sie bleiben ihr weiteres Leben lang ein unkritischer und lautloser Kuscher.

Quellen:

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