„Colonia-Dignidad“- Ein Abriss vom Beginn bis zum Prozess gegen drei deutsche Sekten-Anführer in Chile Ende 2016

 

Eine Zusammenfassung von

Jörg Stolzenberger

Aufklärungsgruppe Krokodil

11.01.2017

 

 

Ein Abriss des Geschehens

Die Colonia Dignidad spanisch für „Kolonie Würde“, offiziell Sociedad Benefactora y Educacional Dignidad / „Wohltätigkeits- und Bildungsgemeinschaft Würde“, und seit 1988 Villa Baviera / „Dorf Bayern“) war ein befestigtes Siedlungsareal in Chile, das von einer sogenannten christlichen Sekte auch von Auslandsdeutschen bewohnt wurde.

Die 300 km² umfassende Colonia Dignidad wurde 1961 von dem Deutschen Paul Schäfer gegründet. Sie liegt ca. 400 Kilometer südlich der Hauptstadt Santiago de Chile im Gemeindegebiet von Parralin der VII. Region.

Die Colonia Dignidad wurde durch die u. a. während der Pinochet Diktatur begangenen Menschenrechtsverletzungen weltweit bekannt. (1)

Paul Schäfer war 1921 in Bonn geboren,  wuchs aber zusammen mit seinen beiden älteren Brüdern in Troisdorf auf. Er war zweimal in der Schule sitzengeblieben. In seiner Kindheit verlor er durch einen Unfall ein Auge, das durch ein Glasauge ersetzt wurde und Grund für die Ausmusterung beim Heer war. Er war Mitglied in einer CVJM-„Eichenkreuz“-Gruppe. Entgegen Medien- und Eigendarstellungen war Schäfer nie Offizier in der Wehrmacht oder Mitglied nationalsozialistischen Organisationen, sondern Pfleger und nahm als Sanitäter in Frankreich am Zweiten Weltkrieg teil.

Nach dem Zweiten Weltkrieg arbeitete Paul Schäfer zunächst als Hilfsarbeiter auf Jahrmärkten, bevor er als Jugendbetreuer und zuletzt CVJM-Jugendleiter in Troisdorf Anstellung fand. Als Leiter eines Zeltlagers zeigte Paul Schäfer laut Zeugen bereits 1947 seine Neigung zu sadistischen Praktiken.

In Ferienlagern müssen die Jungen eine Gasse bilden und mit Ruten auf den entblößten Körper eines „Sünders“ einprügeln, der beim Naschen erwischt wurde. Ein anderer Junge, der über Heimweh klagt, wird auf Geheiß Schäfers von der Meute als Säugling „verkleidet“ und in einen Kinderwagen gesteckt. (2)

Als sich die Gerüchte mehrten, dass Schäfer ihm anvertraute Kinder und Jugendliche misshandle und sexuell missbrauche, erfolgte um 1949/50 seine diskrete Entlassung aus dem kirchlichen Dienst, so dass es zu keinem gerichtlichen Strafverfahren kam.

Paul Schäfer machte sich nach seiner Entlassung als Laienprediger selbstständig. Sein Wirkungsfeld waren zunächst separierte protestantische Kreise, die sich ihm weitgehend kritiklos öffneten. Dabei traf er auch auf Hugo Baar, der zu dieser Zeit noch Prediger einer Baptistengemeinde war. In Schäfer und Baar fanden eine starke Führungspersönlichkeit und ein rhetorisch gewandter Prediger zusammen, die bei ihren gemeinsamen Auftritten viele Menschen an sich zu binden wussten. Dabei geriet Baar, der sich in den letzten Jahren seines Lebens von Schäfer lossagte, immer stärker unter den – so Baar – „dämonischen“ Einfluss des ehemaligen Jugendpflegers und wurde ihm hörig. Ende 1959 wurde er seines Predigeramtes enthoben und trat aus der Baptistenkirche aus. (2)

Die Anfänge in Deutschland

Schäfer und Baar gaben vor, der Idee einer an die Gütergemeinschaft einer Jerusalemer Urgemeinde angelehnten urchristlichen Lebensweise zu dienen. Ihre Endzeitlichen Lehren verbreiteten sie unter ihren Hörern und schmückten Schreckensszenarien. Sicherheit vor den kommenden Katastrophen gebe es nur in der Geborgenheit ihrer Gemeinschaft und unter der Leitung des von Gott eingesetzten Paul Schäfer. Zunächst erwarteten sie von ihren Anhängern nur den zehnten Teil ihres Einkommens. Später – als sich aus dem Anhängerkreis eine geschlossene Gesellschaft formierte – forderten sie das gesamte Vermögen ihrer Mitglieder. Erbschaften, Lebensversicherungen und Rentenansprüche mussten auf Schäfer übertragen werden. Das Geld investierten Schäfer und Baar in verschiedene Wohn- und Geschäftsprojekte.

In Lohmar-Heide baute Schäfer für seine beim Siegburger Amtsgericht eingetragene Private Sociale Mission e. V. mit seinen Anhängern ein Gemeinschaftshaus in Eigenregie. (2)

Nach außen vermittelte die Sekte den Eindruck, eine glückliche Gemeinschaft zu sein. Ihr Einkommen sicherte sie sich durch den staatlich anerkannten Betrieb eines Kinder- und Jugendheims. Schäfer erwies sich auch in anderen Bereichen als geschäftstüchtig. Er pachtete zum Beispiel Lebensmittel- und Tabakwarengeschäfte. Seinen Sektenmitgliedern verlangte er ab, hart und unentgeltlich zu arbeiten.

Mit der Zeit forderte Schäfer immer eindeutiger, dass seine Anhänger ihre familiären Bindungen nach außerhalb auf das Mindeste zu beschränken hatten. Am besten sei es, diese ganz aufzugeben, denn – so Schäfer – „ein freier Christ kann Gott besser dienen“. Durch Beichtzwang gelang es ihm, seinen Einfluss auf den Einzelnen immer stärker geltend zu machen. Intimste Gedanken und Handlungen mussten vor ihm ausgesprochen werden. Drakonische körperliche Strafen wurden von ihm verhängt. Während Schäfer von seinen Anhängern sexuelle Askese verlangte, verging er sich sexuell an Kindern, und zwar ausschließlich an Jungen.

Als in Siegburg 1961 zwei Fälle von vergewaltigten Jungen bekannt wurden, beantragte die Bonner Staatsanwaltschaft einen Haftbefehl. Sofort tauchte Schäfer mit Hilfe von Freunden unter und floh nach Chile. Die Zeugen der Anklage, ca. 150 Heimkinder, wurden in einer Nacht-und-Nebel-Aktion mit einem Charterflugzeug nach Chile gebracht.

Seine mittlerweile mehr als 200 Anhänger – die meisten kamen aus Hamburg, Gronau und Siegburg, einige aus Graz/Österreich – folgten ihm in den nächsten Monaten. Schäfer lockte sie mit einem „urchristlichen Leben im Gelobten Land“.

Zögernden und Ängstlichen drohte er mit der Behauptung, eine sowjetische Invasion apokalyptischen Ausmaßes werde alle Lebensmöglichkeiten in Deutschland zunichtemachen.

Das Wirken in Chile

Im Zusammenhang des folgenden Exodus wurde das Haus der Sektengemeinschaft in Heide an die Bundesregierung verkauft. Es brachte einen Erlös von 900.000  DM ein. (2)

Mit diesem Geld erwarb Schäfer eine heruntergewirtschaftete Finca größeren Ausmaßes nahe der Stadt Paral – etwa 350 Kilometer südlich von Santiago de Chile.                            Er nannte sie zunächst „Colonia Dignidad“. Seit 1988 hieß sie „Villa Baviera Dorf Bayern“.

 

Dignidad

 

 

 

 

 

Screenshot: Eingangstor der „Colonia Dignidad“

 

Gegenüber den chilenischen Behörden gaben Schäfer und Baar vor, sich dort um chilenische Waisenkinder kümmern zu wollen. Damit war beabsichtigt, der Colonia „familienlosen“ Nachwuchs zuzuführen.

In der Geschlossenheit der Colonia Dignidad gelang es ihm, seine Unterdrückungsmechanismen weiter zu entwickeln. Von seinen Anhängern verlangte er totale Unterwerfung und setzte diese auch mit Gewalt durch. Der Arbeitstag in der „Kolonie der Würde“ hatte 16 Stunden. Ruhetage, Gottesdienste und Gebetszeiten, die es vorher gegeben hatte, wurden als „sinnlos vertane Zeit“ abgeschafft. Die Hörigkeit der Sektenmitglieder wurde so stark, dass jede Kraft zum Widerstand erlosch. Es gab streng getrennte Frauen-, Männer- und Kinderhäuser. Private Gespräche waren nach und nach strikt verboten. Zuwiderhandlungen hatten harte Strafen zur Folge. Jeder musste fürchten, denunziert zu werden, jeder konnte ein Spitzel sein.

Die Kolonie wurde zu einer Art Festung ausgebaut. Zäune mit Wachtürmen und Stolperfallen sowie bewaffnete Wachposten sorgten dafür, dass eine nach außen hin hermetisch abgeriegelte Diktatur entstand.

In wenigen Jahren entstand durch ständige Zwangsarbeit  ein – von Medien als Mustergut bezeichneter – landwirtschaftlicher Großbetrieb mit einer umzäunten Fläche von ca. 15.000 Hektar. Schäfer ließ seine Sektenmitglieder Straßen und Brücken bauen und Bergwerke zum Abbau von Gold, Uran und Titan anlegen. Als Aushängeschild der Kolonie galt das Krankenhaus, in dem die arme Bevölkerung des Umlandes kostenlos behandelt wurde.

Chilenischen Jungen wurde im Internat der Colonia Dignidad Essen und Ausbildung geboten. Auch dieses Internat diente der Rekrutierung neuen Sektennachwuchses. Klagen der Kinder über Misshandlung und Missbrauch wurden von den Eltern anfangs nicht ernst genommen und somit von den staatlichen Behörden nicht verfolgt.

Schäfer hatte mit dem diktatorischen Pinochet-Regime Verhandlungen geführt. So bestand seit dem Putsch im September 1973 zwischen der chilenischen Militärdiktatur und der Kolonie eine enge Kooperation. In deren Rahmen wurde das abgeschottete Gelände der Sektenkolonie von Pinochets Geheimdienst Dina als Quartier zur Inhaftierung, Folter und Ermordung von Regimegegnern genutzt. Das ganze Ausmaß der Handlungen in der Kolonie wurde ab 2005 Gegenstand polizeilicher Untersuchungen.

Mehrere deutsche Politiker besuchten Schäfers Kolonie, auch der damalige bayerische Ministerpräsident Franz Josef Strauß, als er zur Pinochet-Zeit den Ehrendoktortitel der Universität Chile erhielt. Schäfer hatte die schützende Unterstützung der deutschen Botschaft in Santiago, deren Gebäude unter anderem von Handwerkern aus der Colonia Dignidad im Inneren renoviert wurde. Versuche, Familienangehörige mit Hilfe des Auswärtigen Amtes aus der Sektenkolonie herauszuholen, scheiterten auch, weil Angehörige der Botschaft der BRD dort ein und aus gingen. Neben anderen pflegte Botschafter Erich Strätling engen freundschaftlichen Kontakt mit Schäfer. (2)

Frühere Sektenmitglieder klagen, dass sie von der deutschen Botschaft nach Fluchtversuchen wieder in die Colonia zurückgeschickt wurden.

Paul Schäfer wird verhaftet

Buenos Aires am 11.03.2005. Nach neun Jahren Fahndung ist der frühere Leiter der berüchtigten deutschen Siedlung „Colonia Dignidad“ im Süden Chiles, Paul Schäfer, in Argentinien festgenommen worden. Gegen Schäfer lagen internationale Haftbefehle aus Deutschland und aus Chile vor. Er verweigert bisher die Aussage. (4)

An diesem Freitag wurde ihm von der argentinischen Justiz ein Pflichtverteidiger gestellt. Dem 83-jährigen Schäfer werden Kindesmissbrauch und die Beteiligung an Verbrechen der Diktatur von Augusto Pinochet vorgeworfen.

 

Schäfer Paul

 

 

 

 

Bild oben: Paul Schäfer bei seiner Festnahme im Rollstuhl / DPA

 

Tagesspiegel 2005 Paul Schäfer in Argentinien festgenommen

 

 

 

 

 

 

 

Screenshot oben: Der Tagesspiegel „Ex-Chef der „Colonia Dignidad“ gefasst

 

2005 Bundesaußenminister Joska Fischer (Grüne): „..Nun ist  eine umfassende Aufklärung und Ahndung aller kriminellen Handlungen in der früheren «Colonia Dignidad» möglich“

In Berlin sprach Bundesaußenminister Joschka Fischer (Grüne) von einer «guten Nachricht». Die Bonner Staatsanwaltschaft prüft einen Auslieferungsantrag. Jedoch gingen politische Beobachter in Santiago und Buenos Aires davon aus, dass Schäfer nach Chile überstellt werde, wo die schwersten Vorwürfe gegen ihn erhoben wurden. (4)

Vor mehr als 40 Jahren hatte sich Schäfer aus Deutschland abgesetzt, nachdem schon hier Ermittlungen wegen Kindesmissbrauchs gegen ihn liefen. Mit anderen deutschen Einwanderern gründete er südlich von Santiago im Jahre 1961 die Enklave, hinter deren stromführenden Stacheldrahtzäunen er eine diktatorisch geführte Lebens- und Arbeitsgemeinschaft aufbaute.

Bei seiner Festnahme hielt sich Schäfer in einer luxuriösen geschlossenen Wohnanlage in Tortuguitas etwa 40 Kilometer von Buenos Aires entfernt auf. Er saß im Rollstuhl. Chilenischen Medienberichten zufolge hatte er sich Ende vergangenen Jahres in einem Krankenhaus in Buenos Aires einen Herzbypass legen lassen. Wie der argentinische Interpol-Kommissar Alejandro Dimizo der dpa mitteilte, wurde Schäfer inzwischen in die Krankenabteilung des Hochsicherheitsgefängnisses in Marcos Paz bei Buenos Aires gebracht.

Außenminister Fischer sagte in Berlin, jetzt werde eine umfassende Aufklärung und Ahndung aller kriminellen Handlungen in der früheren «Colonia Dignidad» möglich. Argentiniens Präsident Néstor Kirchner will bei einem seit längeren geplanten Besuch am kommenden Wochenende in Santiago mit seinem chilenischen Kollegen Ricardo Lagos über den Fall sprechen. Chiles Vize-Innenminister Jorge Correa Sutil flog am Freitag zu Gesprächen nach Buenos Aires. Das Innenministerium in Buenos Aires, das für eine Abschiebung zuständig ist, teilte mit, es läge noch keine Entscheidung vor. (4)

Verurteilungen von Paul Schäfer

Die chilenischen Behörden erhoben noch im März 2005 Anklage wegen Entführung im Zusammenhang mit dem Verschwinden des Dissidenten Allvaro Valleos. Bereits im November 2004 war Schäfer in Abwesenheit von einem Gericht in Chile des sexuellen Missbrauchs von 27 Kindern für schuldig befunden worden. Im Dezember 2005 erfolgte eine weitere Anklage gegen Schäfer, nachdem die ehemalige Leiterin der Klinik der „Colonia“, Gisela Seewald, gestanden hatte, Kinder mit Elektroschocks gequält und unnötigen „psychiatrischen Behandlungen“ unterzogen zu haben, um sie gefügig zu machen. In der Anklageschrift wird Schäfer und Seewald unter anderem vorgeworfen, acht Kinder deutscher Herkunft ihren Eltern entrissen und schwer misshandelt zu haben. Am 24. Mai 2006 wurde Schäfer schließlich durch den Richter Hernán González vom Gericht in Parral, Chile, des Missbrauchs von Kindern in 25 Fällen für schuldig befunden und zu einer Haftstrafe von 20 Jahren und Zahlungen von insgesamt 770 Mill. Peso (umgerechnet 1,5 Millionen US-Dollar oder 1,22 Millionen Euro) an elf Jugendliche verurteilt, deren Vertreter Klage eingereicht hatten.

Am 14. Mai 2009 wurde Schäfer in Santiago de Chile wegen Körperverletzung in acht Fällen zu weiteren drei Jahren Gefängnis verurteilt. Bei den Opfern handelte es sich um Kinder, die zwischen 1970 und 1980 im Spital der Siedlung mit Psychopharmaka gequält worden waren.

Zudem war dort noch ein weiteres Verfahren wegen illegalen Waffenbesitzes anhängig.

2010 Paul Schäfer`s Tod 

Schäfer erlag am 24. April 2010 im Alter von 88 Jahren in einem Gefängnishospital in Santiago de Chile einem Herzleiden. Er wurde auf dem Friedhof Parque del Recuerdo Cordillera im Stadtteil Puente Alto von Santiago beigesetzt. Bei der Beerdigung, die unter Protesten der Bevölkerung stattfand, sollen nur sieben Personen anwesend gewesen sein – darunter eine einzige Verwandte Schäfers, die Adoptivtochter Rebecca. (5)

 

Stuttgarter Zeitung Tod von Paul Schäfer

 

 

 

 

 

 

Screenshot oben: Stuttgarter Nachrichten „Colonia Dignidad“ Paul Schäfer: Proteste bei Begräbnis

 

2016 Bundesaußenminister Steinmeier (SPD): „..Gravierende Versäumnisse des Auswärtigen Amtes und des damaligen Botschaftspersonals“.

 

Tagesspeigel 2 Steinmeier

 

 

 

 

 

Bild oben: Screenshot vom Tagesspiegel. Außenminister Steinmeier

Im April 2016 hat Bundesaußenminister Frank-Walter Steinmeier „wegen der Sektensiedlung Colonia Dignidad in Chile jahrelange gravierende Versäumnisse des Auswärtigen Amtes und des damaligen Botschaftspersonals eingeräumt. Von den sechziger bis in die achtziger Jahre haben deutsche Diplomaten bestenfalls weggeschaut – jedenfalls eindeutig zu wenig für den Schutz ihrer Landsleute in dieser Kolonie getan‘.“(3)

Es gelang dem Sektenführer bis über das Ende der Pinochet-Diktatur hinaus, ein positives Bild von „deutscher Schaffenskraft“ im Ausland zu vermitteln.

Verurteilungen Ende Dezember 2016 in Chile

Ein Gericht in Chile verurteilt drei deutsche Mitglieder der Sekte „Colonia Dignidad“ zu jeweils fünf Jahren Haft. Ihnen wird die Bildung einer kriminellen Vereinigung vorgeworfen. Angeklagt waren weit mehr, doch einige können sich dem Prozess entziehen.

Der Oberste Gerichtshof in Chile hat drei Führungsmitglieder der deutschen Sektensiedlung „Colonia Dignidad“ in letzter Instanz verurteilt. Die drei Männer seien wegen der Bildung einer kriminellen Vereinigung schuldig, erklärte das Gericht auf seiner Internetseite.

Kurt Schnellenkamp, Gerhard Mücke und Karl van den Berg sowie zwei frühere Geheimdienstmitglieder wurden zu Haftstrafen von jeweils fünf Jahren und einem Tag verurteilt. Damit erhöhte das Gericht die vorinstanzlichen Strafen um jeweils ein Jahr. Vier weitere Mitglieder der deutschen Sekte wurden freigesprochen.

Zusammenarbeit mit Geheimdienst

Das Gericht sah es als erwiesen an, dass die „Colonia Dignidad“ eng mit dem Geheimdienst unter Diktator Augusto Pinochet zusammenarbeitete. Die Führungsriege der Siedlung und Geheimdienstagenten bildeten eine kriminelle Vereinigung, die systematisch Verbrechen beging. Die Anfang der 1960er Jahre vom Deutschen Paul Schäfer gegründete Kolonie diente während der Militärdiktatur (1973-1990) als Folterzentrum des Geheimdienstes.

Schnellenkamp und Mücke sitzen bereits wegen Beihilfe zur Vergewaltigung Minderjähriger und sexuellem Missbrauch im Gefängnis der zentralchilenischen Stadt Cauquenes. Dort wird auch Karl van den Berg seine Haftstrafe antreten. Die beiden ehemaligen Geheimdienst-Agenten sind ebenfalls bereits in Haft. (6)

Sektenarzt Hopp flieht nach Deutschland

Ursprünglich waren 2006 18 Personen wegen Bildung einer kriminellen Vereinigung angeklagt worden. Nach Angaben des Forschungs- und Dokumentationszentrums Chile in Berlin waren darunter 14 Bewohner der „Colonia Dignidad“.

Sechs Angeklagte starben im Laufe der Verhandlungen, drei entzogen sich dem Prozess durch Flucht nach Deutschland, darunter auch der Sektenarzt Hartmut Hopp. Er war in Chile bereits wegen Beihilfe zum sexuellen Missbrauch von Minderjährigen zu fünf Jahren Gefängnis verurteilt worden. Derzeit prüft das Landgericht Krefeld, ob das Urteil in Deutschland vollstreckt werden kann. (6)

 

Quellen:

Wikipedia: https://de.wikipedia.org/wiki/Paul_Schäfer_(Colonia_Dignidad

(2) Der Teufel aus Troisdorf : http://www.general-anzeiger-bonn.de/news/kultur-und-medien/medien/Der-Teufel-aus-Troisdorf-article3171587.html DL 10.01.2017

(3) Der Tagesspiegel vom 26.04.2016:  Sektensiedlung in Chile: Steinmeier bekennt deutsche Fehler bei Colonia Dignidad. http://www.tagesspiegel.de/politik/sektensiedlung-in-chile-steinmeier-bekennt-deutsche-fehler-bei-colonia-dignidad/13506448.html DL 10.01.2017

(4) der Tagesspiegel vom 11.03.2005: Sektenchef Paul Schäfer verhaftet. http://www.tagesspiegel.de/politik/ex-chef-der-colonia-dignidad-gefasst/592046.html DL 10.01.2016

(5) „Colonia Dignidad- Paul Schäfer-Proteste bei Begräbnis; http://www.stuttgarter-nachrichten.de/inhalt.colonia-dignidad-paul-schaefer:-proteste-bei-begraebnis.3bfc746a-77d5-4f28-a3c9-87c67848b67b.html DL 10.01.2017

(6) n-tv vom 30.12.16: http://www.n-tv.de/politik/Drei-deutsche-Sekten-Anfuehrer-verurteilt-article19440926.html

 

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