Scientologen-Aktion in Kirchheim/Teck vor dem CDU Stand des Abgeordneten Zimmermann am 05. März 2016

Ein Bericht von Jörg Stolzenberger

Aufklärungsgruppe Krokodil

05. März 2016

Am 05. März 2016 gegen 12.15 Uhr gab es in Kirchheim-Teck, im Bereich des Marktplatzes, eine kabarettistische Aktion der Scientologen vor dem CDU-Werbestand anläßlich der Landtagswahl von Baden-Württemberg.

Viele der vorbeilaufenden Bürger werden es vermutlich gar nicht mitbekommen haben, dass hier der Landtagsabgeordnete Zimmermann Ziel einer Scientology-Aktion gewesen ist.

Wir wollen daher über diese Aktion aufklären. Gestatten sie mir daher, den Hauptakteur in einem Rückblick vorzustellen. Er heißt Hans (Johann) Bschorr und kam bereits in einem Interview der Süddeutschen Zeitung im Jahre 1997 zu Wort, nachdem er als Scientologe enttarnt worden war.

Aus dem Interview mit der Süddeutschen Zeitung am 21.11.1997 –

Ein Rückblick:

Im Sommer 1996 wurde der TV-Journalist Hans Bschorr – bis Mitte der Neunziger
Landtagskorrespondent des Bayerischen Rundfunks – als Scientologe enttarnt. Er
zog daraufhin nach England und beendete seine Karriere. Erst jüngst aber geriet
er wieder, ohne sich selbst zu äußern, in einen politischen Schlagabtausch.

Das Innenministerium wollte von Landtagsabgeordneten wissen, ob sie dem
Redakteur während dessen Zeit beim BR politische Geheimnisse verraten haben.
Wir sprachen mit Hans Bschorr.

SZ: Herr Bschorr, sind Sie nach England gegangen, um dort für Scientology zu
arbeiten?
Bschorr: Nein, aber daß ich in England geblieben bin, hat viel mit Scientology
und vor allem der Intoleranz in Deutschland zu tun.
SZ: Was machen Sie für Scientology?
Bschorr: Wenig. Das beschränkt sich auf Übersetzungen von englischen Texten ins
Deutsche, wie kürzlich bei einer Broschüre über Religionsfreiheit.
SZ: In Zeitungsanzeigen vergleicht Scientology Deutschland mit Hitlerdeutschland.     Was halten Sie davon?
Bschorr: Gegen Scientologen startet Deutschland existenzvernichtende
Aktionen. Die Zeitungsanzeigen sind hart, sie beziehen sich aber ausschließlich auf die Maßnahmen gegen Juden bis Mitte der 30er-Jahre.
SZ: Daß Scientology psychischen Druck auf seine Mitglieder ausübt, leugnen Sie
natürlich.
Bschorr: Auf mich hat Scientology noch keinen Jota Druck ausgübt . . .
SZ:. . . Aussteiger haben Geld und Seele in der Sekte zurückgelassen, . . .
Bschorr: . . . ich schwöre, daß ich alles freiwillig gemacht habe. Was Scientology will, ist, in den Dialog zu treten. Leute wie Innenminister Beckstein verwehren uns diesen Dialog
und sind damit in einer schwachen Position. Wenn Beckstein uns etwas nachweisen kann, dann soll er das auf den Tisch legen. Er kann es aber nicht.
SZ: Wenn der Scientology-Gründer Ron Hubbard Sie auffordert, in die Zentralen
der Macht vorzudringen, dann steckt knallharte Ideologie dahinter, nicht die
Sehnsucht nach dem Dialog.
Bschorr: Aber die Bewegung ist unpolitischer als Sie denken. Es geht um eine Gesellschaft, in der weniger Kriminalität, weniger Drogen . . .
SZ: . . . mir kommen die Tränen, das will die CSU ja auch alles.
Bschorr: Ja, aber mehr ist da nicht.
SZ: Da werden wir uns nicht einig. Stimmt es, daß Sie Anfang der Neunziger
beinahe Pressesprecher der CSU geworden wären?
Bschorr: Stimmt, ich wurde gefragt.
SZ: Die CSU sagt, Sie hätten sich zur Verfügung gestellt.
Bschorr: Ich kann die verstehen, das heute so darzustellen. Aber ich wurde
gefragt und habe Nein gesagt. Politisch wäre das kein Problem gewesen. Ich bin
ja seit langem CSU-Mitglied.
SZ: Es gibt Journalisten, denen Sie sich als BR-Journalist für eine gemeinsame
Recherche über Scientology angedient haben .
Bschorr: Ich habe ein- oder zweimal mit Kollegen darüber geredet, das aber war
ein rein journalistisches Interesse.
SZ: Verdammt schwer zu glauben.
Bschorr: Und doch war es so.
SZ: Herr Bschorr, das Innenministerium hat die Landtagsabgeordneten gefragt, ob
Sie Geheiminformationen erhalten hätten.
Bschorr: Wenn Gesprächskontakte als Unterwanderung ausgelegt werden, dann
ist das totalitär. Ich würde mich gerne mit den Herren im Innenministerium
zusammensetzen und mit denen reden. Keiner muß mir glauben . . .
SZ: . . . ich auch nicht . . .
Bschorr: . . . das ist Ihr gutes Recht. Aber ich darf der Staatsregierung, die
den Verfassungsschutz auf mich angesetzt hat, sagen: Ich muß reden dürfen! Fakt
ist, daß niemand mir ein Verbrechen vorwerfen oder beweisen kann. Alleine
die Vermutung, ich könnte Geheiminformationen nach England getragen haben, ist wahnwitzig. Meine Arbeit war die eines normalen und verzweifelten Journalisten, der aus dem Landtag Nachrichten abschöpfen muß. Und obwohl das nicht leicht ist, wurde meine
Arbeit vom BR anerkannt.
SZ: Stimmt es, daß Sie jetzt dauerhaft in England leben?
Bschorr: Ich kann Ihnen die Adresse geben. Meine Frau, meine drei Kinder und
ich leben 50 Kilometer südlich von London, fünf Meilen entfernt von der Scientology-Zentrale. Wir haben uns ein altes Haus sehr schön hergerichtet.
SZ: Wie kommt das Geld herein?
Bschorr: Wir zehren von den Reserven. Außerdem schreibe ich unter Pseudonym
für deutsche Magazine über Umweltthemen. Aber selbst die Magazinleute wurden aus
Bayern gewarnt, wenn ich weiter für die schreiben sollte, werde man den Namen
des Magazins offenlegen – wegen eines Textes von Hans Bschorr über Kanalisationsprobleme. Gräßlich.

Das Interview führte: Alexander Gorkow.

Die Scientologen konterten damals mit folgender Presseerklärung:
PRESSEMITTEILUNG
14.01.98
SCIENTOLOGEN-ELTERN KLAGEN RELIGIÖSE DISKRIMINIERUNG VON KINDERN AN BECKSTEIN ANGEPRANGERT: INNENMINISTER SCHAFFT EIN KLIMA DES HASSES AN BAYERISCHEN SCHULEN (Auszug zu Hans Bschorr)
(MÜNCHEN)

„…Hans Bschorr, langjähriger Landtagskorrespondent des Bayerischen Fernsehens und dort wegen seiner Scientology-Mitgliedschaft kaltgestellt, hat aus Becksteins Ausgrenzungspolitik für seine Familie persönliche Konsequenzen gezogen. Weil er seinen Kindern nicht zumuten wollte, in der Schule seine Eltern als „gehirngewaschene Untermenschen“ zeichnen zu müssen, hat er 1994 seine Familie nach England gebracht.“

Für den Inhalt und weitere Informationen: Sabine Weber/Georg Stoffel, Scientology Kirche Deutschland

 

 

Am 05. März 2016 sieht man Hans Bschorr wieder- in Deutschland, genauer in Kirchheim –Teck, bei einem CDU-Stand.

Mit einem selbstfabrizierten Schild welches er mit sich herumträgt diffamiert er sein Gegenüber , welches automatisch mit einem roten Pfeil markiert wird.                                  Das Schild trägt die Aufschrift: „Bedrohte Spezies. Vorsicht schreckhaft! Keine spontanen Fragen! nicht füttern!“ (Fehler im Original).

Mit diesem Schild posiert Hans Bschorr provokant vor dem Mitglied des Landtags, dem Abgeordneten Karl Zimmermann (CDU), welcher keine Chance hatte, der Markierung auszuweichen.

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Unterdessen fotografiert oder filmt Marcel Phillip R. , der zu den Begleitern des Hans Bschorr zählen dürfte, und vermutlich nicht mal eben zufällig vorbei kam, die Situation mit seinem Handy.
R. stand zu diesem Zeitpunkt direkt am „Mode am Markt ECK und trug auffällige rot-blaue Turnschuhe.

 

 

 

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Was diese Aktion mit diesem Schild bezwecken sollte, ist uns nicht bekannt, wahrscheinlich steht sie aber im Zusammenhang mit dem Scientology-kritischen Film im SWR-Fernsehen vom 17.02.2016 und dem Zeitungsartikel im „Der Teckbote“ vom 19.02.2016 und dem Leserbrief von Bschorr, der gestern, am 05.03.2016, ebenfalls im „Der Teckbote“ veröffentlicht wurde.

Im Teckboten der Kirchheimer Zeitung liest man im Leserbrief des Hans (Johann) Bschorr vom 05.03.2016 folgendes:

05.03.2016 – 02:02 Uhr

Alte Vorwürfe 
aufgewärmt

Wenn der Landtagsabgeordnete Karl Zimmermann es unterlässt, einen Journalisten zurückzurufen, obwohl er freundlich darum gebeten wurde, und sich dann auch noch „bedroht fühlt“, fragt man sich, ob er von unbequemen Tatsachen abzulenken versucht. Das sagt mir meine lange Erfahrung im Umgang mit Politikern – als Journalist und ehemaliger TV-Korrespondent aus dem Bayerischen Landtag. Offenbar aufgrund der Einflüsterung des CDU-Volksvertreters unterstellte mir der Teckbote, meinen Beruf als eine Art Tarnung zu benutzen. Wie abwegig diese Darstellung ist, belegt allein die Tatsache, dass ich seit 32 Jahren Mitglied im Bayerischen Journalistenverband bin.

Bevor der CDU-Kandidat mich und die Scientologen in die Nähe von unrechtmäßigem Tun rückt, sollte er sich im Landeskriminalamt erkundigen, wo er einst laut eigenen Angaben zum Kriminalhauptkommissar aufgestiegen ist. Dort könnte man ihm kürzlich offengelegte Akten des BKA zugänglich machen. Demnach waren bei der von ihm so verachteten „Scientology Church“ – trotz jahrelanger Suche – „keine Anhaltspunkte für strafrechtliches Verhalten“ und kein „Verdacht auf verfassungswidriges Verhalten“ zu finden. Wo bleibt der Jubelschrei des Ex-Kriminalers angesichts der nun offiziell bestätigten Gesetzestreue?

Die Rechnung des Kirchheimer CDU-Politikers, ein paar Stimmen einzufangen, indem er alte Vorurteile aufwärmt, wird nicht aufgehen – wie einst in Hamburg, als der längst vergessene CDU-Bürgermeister Ahlhaus seine Wahlchancen zu verbessern versuchte, indem er medienwirksam ein Verbot der Scientology-Kirche forderte. Diese Art religiöser Diskriminierung veranlasste damals das US-Generalkonsulat zu einer Nachfrage, worauf die Innenbehörde kleinlaut erklärte, dass es sich nur um Wahlkampfgetöse handle und nicht ernst zu nehmen sei. Festgehalten ist dies in den von Edward Snowden enthüllten Dokumenten (US-State Dept. Telegramm vom 21. Dezember 2007).

Johann Bschorr, Berlin

 

Der Teckbote

 

 

 

 

 

 

 

 

Bild oben: Screenshot vom Leserbrief Johann Bschorr vom 05.03.2016

 

Man könnte aus dem Leserbrief deuten, das sich Hans Bschorr, dem CDU Abgeordneten-Büro Karl Zimmermann „als Journalist“ vorstellte um ein Gespräch mit dem Abgeordneten zu erreichen, dieses aber wohl nicht zu Stande kam, da der Herr Zimmermann nicht zurückrief. Wenn sich der Herr Bschorr darauf beruft seit 32 Jahren Mitglied im Bayrischen Journalistenverband zu sein und daraus automatisch ableitet, dass ihm nun jeder Gehör geben muss…..

Stellt sich die Frage, für wen der Hans Bschorr das Interview wollte und was der eigentliche Hintergrund war. Offenbar war die Zielrichtung ja wohl Scientology, denn für diese Organisation ergreift Hans (Johann) Bschorr ja hinreichend Partei.

 

Quellen:

1. Süddeutsche Zeitung – Das Interview von 1997 unter: (1)
http://www.sueddeutsche.de/cgi-bin/treffer.cgi?file=/sz/www/docs/szdb/1997/11/19971121/bay_g.htm&date=19971121

2. Presseerklärung des Scientologischen-Menschenrechtsbüro unter: http://www.menschenrechtsbuero.de/html/140198.htm
Vom 14.01.1998.

3. Bilder von der Aufklärungsgruppe Krokodil/05.03.2016/ mit copyright!

4. Leserbrief von Johann Bschorr im Teckboten vom 05.03.2016

 

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