Scientology sucht nicht nur den Draht zur Polizei: Am Beispiel von „geleakten“ Emails: sogenannte „Meinungsführer“ aus Polizei; Öffentlichem Dienst & Politik gesucht !“

Ein Bericht von
Jörg Stolzenberger
Aufklärungsgruppe Krokodil
18.01.2016

 

Vorgeschichte wegen der „geleakten E-Mails“:

Wie der WebStandard Anfang Juli 2012 berichtete, hatte Scientology Österreich den Ex-Scientologen und Blogger Wilfried Handl wegen der Veröffentlichung interner Scientology-Mails verklagt. Der Streitwert beträgt 31.000 Euro. (1)

Die E-Mails wurden Anfang Juni 2012 zuvor von Anonymous Austria veröffentlicht.
Der österreichische Anon-Ableger ist nach eigenen Angaben an E-Mails von Scientology Österreich aus den Jahren 2010 und 2011 gekommen.                                                                    Die E-Mails wurden in mehreren Downloadpaketen mit insgesamt 2,8 Gigabyte Größe veröffentlicht.

Als Begründung gegen Scientology nennt AnonAustria sein Vorgehen:
„They are evil. They are dangerous. Everyone must know.“(2)
(Anm. deutsch: „Sie sind böse. Sie sind gefährlich. Jeder muss es wissen.“)

Anonymous Austria

 

 

 

 

 

 

 

 

Bild oben: Anonymous Board Austria mit oben genannter Begründung.

 

Zudem hatte Scientology eine einstweilige Verfügung beantragt, die Handl daran hindern sollte, weitere Mails in seinem Blog zu veröffentlichen.

Die einstweilige Verfügung wurde 2012 in zweiter Instanz vom Oberlandesgericht Wien abgelehnt. Als Begründung der Ablehnung gab das Gericht an, dass keine ausreichende Begründung für den Unterlassungsanspruch vorliege und die Gefährdung von Scientology dadurch nicht überprüft werden könnte. Die Hauptverhandlung, in der es um den besagten Streitwert von 31.000 Euro gehen wird, stand allerdings noch aus. (1)

Der ehemalige Chef von Scientology Österreich, Winfried Handl, hat anhand der E-Mails verschiedene finanzielle Probleme der Sekte beleuchtet und unter anderem herausgefunden, dass versucht wurde, „die Polizei in Österreich zu unterwandern“ – so der Falter in seiner Ausgabe vom 29. August 2012. Der nach dem Leak innerhalb von Scientology geführte Mailverkehr lässt zudem vermuten, dass man Handl den Wind aus den Segeln nehmen wollte. Doch damit dürfte Scientology nun gescheitert sein. (1)

Johannes Öhlböck, Rechtsvertreter von Handl, sah dies als Etappensieg.                                In seiner ersten Klagebeantwortung vom Juli kritisierte er auch den Streitwert, der seiner Meinung nach laut Tarifen für zivilrechtliche Angelegenheiten und Mediensachen nicht 31.000 Euro sondern 8.720 Euro betragen dürfte. Der hoch angesetzte Streitwert sollte einen einschüchternden und mundtotmachenden Effekt haben.                                              Die Berechtigung Handls zur Veröffentlichung der Mails sei zudem durch die Kommunikationsfreiheit, Informationsfreiheit, Pressefreiheit und der freien Meinungsäußerung gegeben, weiter gebe es ein öffentliches Interesse an der Veröffentlichung, die von Handl mit „journalistischer Sorgfalt kritisch kommentiert“ werde. (1)

In erster Linie erfolgte die Veröffentlichung zudem nicht durch Wilfried Handl, sondern durch die Netzaktivisten von Anonymous Austria. Die E-Mails konnten laut Öhlböck erst durch die Außerachtlassung der Sorgfalt an die Öffentlichkeit kommen.                              Die beiden klagenden Parteien – der Verein Scientology Kirche Österreich und die Scientology Mission Wien – sind mit dem Begehren, die Veröffentlichung zu stoppen, vor Gericht jedenfalls abgeblitzt. (1)
Die Berufung in nächster Instanz ist ausgeschlossen.

Der Ausgang der Hauptverhandlung blieb abzuwarten.

Am 04.04.2013 berichtet die Krone.at über den Ausgang der Hauptverhandlung im Fall der geleakten Mails. Darin heißt es:

„Ein von Scientology geklagter Aussteiger darf weiterhin gehackte interne E-Mails veröffentlichen. Das hat das Wiener Landesgericht für Zivilrechtssachen am Donnerstag entschieden. Ein Prozess, den die umstrittene Religionsgemeinschaft gegen den Mann angestrengt hatte, endete mit einem unbedingten Vergleich.Der Angeklagte, ein ehemaliges Mitglied und nunmehriger strenger Kritiker von Scientology, hatte in seinem Blog interne E-Mails verbreitet, die von der Hacker-Organisation „Anonymous“ veröffentlicht worden waren.
Scientology hatte bereits vor dem aktuellen Verfahren versucht, die Veröffentlichungen der E- Mails per Unterlassungsklage zu verhindern. Eine gleichzeitig eingereichte sofortige Verfügung wurde jedoch in zwei Instanzen abgelehnt. Mit dem am Donnerstag erreichten Vergleich stehe nun endgültig fest, dass der Mann weiterhin kritisch über Scientology berichten und die internen E- Mails verwenden dürfe, teilte sein Anwalt Johannes Öhlböck mit.(3)

Sein Mandant habe sich allerdings dazu bereit erklärt, die in den Mails vorkommenden Namen vollständig zu schwärzen – freiwillig, wie der Anwalt betonte. Die Prozesskosten müsse Scientology zur Gänze übernehmen. Die Akte sei damit geschlossen.„Ein Kritiker konnte nicht mundtot gemacht werden“, fasste Öhlböck das Ergebnis der Verhandlung zusammen. (3)

Auch Scientology Österreich kann dem Vergleich Positives abgewinnen.     „Für die Zukunft ist dadurch die Wahrung der religiösen Privatsphäre unserer Mitglieder wiederhergestellt“, meinte die Pressesprecherin der Kirche in einer Aussendung. (3)

 

Kronen Zeitung at

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Bild oben: Kronen-Zeitung.at berichtete über das Ende der Hauptverhandlung im „geleakte Mail“-Prozess

 

Ich berichtete bereits in einem ersten Teil über „geleakte E-Mails“ welche zwischen einem österreichischen Polizeibeamten und einer Scientologin stattfanden.

In diesem zweiten Teil korrespondieren Scientology-Mitarbeiter(Innen) untereinander um eine positive Meinungsbildung über Scientology bzw. deren Begründer L. Ron Hubbard in der Aussenwelt zu erreichen.

Es geht um einen Vorschlag  sogenannte „Meinungsführer“  zu gewinnen und in der Gesellschaft zu etablieren, welche entsprechenden Einfluß haben und die notwendige Überzeugungskraft.

 

sprechende-menschen-

 

 

 

 

 

Wichtig ist, wo die Scientologen diese „Meinungsführer“ her bekommen wollen….

Und deshalb hier die „geleakte“ E-Mail:

„Lieber xxxxx [Scientologe]! Es geht weiter!
Nach einem wirklich erfolgreichen PR Seminar, das von Meister xxxx xxxxxxx [Name eines Scientology-Mitarbeiters] persönlich gehalten wurde, mit spannenden Erfahrungsberichten und tollen Neuigkeiten, wollen wir gemeinsam dieses Wissen auch selbst hier in Wien, bzw. in Österreich umzusetzen, stimmt’s?

LRH [L. Ron Hubbard] sagt in „Der Weg zur Unendlichkeit“, im Vortrag „
Wellenlängen von ARK“:

„Wenn Sie also in Bezug auf Realität in eine Minderheit geraten, werden die Leute beginnen, Sie wirklich zu bekämpfen. Sie sagen: „Er muss verrückt sein. Er stimmt nicht mit uns überein.“ Und später sagt er: „Und Sie können einfach rundheraus sagen, dass so viel Kommunikation stattfinden wird, wie Affinität vorhanden ist; dass es so viel Übereinstimmung geben wird, wie Kommunikation vorhanden ist; es wird so viel Affinität geben, wie es Kommunikation gibt.“ Dementsprechend habe ich eine kurze theoretische Rechnung gemacht: Angenommen, nur 200 Scientologen aus Österreich würden ab jetzt beginnen, jede Woche mit zwei Menschen über Scientology zu sprechen (Gespräch, Non Ex, Assist, sonst irgendwas), sodass diese Person danach eine gute Meinung darüber hat; Angenommen, es bilden sich wöchentlich nur 100 Leute durch den Buchstand eine positive Meinung über Scientology (was tatsächlich geschieht!) Dann würden schon nach nur 6 Monaten 12’000 Menschen wissen, dass Scientology eine wertvolle Sache ist. Und wenn jeder dieser 12’000 Menschen sich jeweils nur einmal in diesen 6 Monaten jemandem anderen gegenüber positiv über Scientology äußern würde, Dann wären es schon 24’000 Menschen innerhalb von 6 Monaten, die darüber positiv denken.

Und wenn unter diesen 200 anfänglichen Scientologen nur 20 Leute jeweils mit 1 Meinungsführer (der angenommen von nur 100 Menschen als Meinungsführer angesehen wird) pro Monat sprechen würden, dann wären es nach 6 Monaten 120 Meinungsführer, die eine positive Meinung über Scientology und LRH haben würden, und potentielle 120’000 zusätzliche Menschen, die in Zukunft darüber erfahren werden.
Und was dies für eine exponentielle Auswirkung für die Verbreitung dieser Nachricht haben würde, brauche ich Dir nicht zu erklären!

xxxxxxxx [Name einer Scientology-Mitarbeiterin] und ich haben für diejenigen, die sich dazu bereit erklärt haben, einige PR Besuche zu machen, eine Liste vonStellen und Personen gemacht, die besucht werden sollten. (4)

Hier sind sie: 

Polizei

Feuerwehr

Bezirksvorsteher

Religionsführer großer und kleinerer religiösen Gruppierungen

Karitative Organisationen

Minister

Parlamentarier

Stadtschulrat Schuldirektoren, Lehrer

Sportler

Künstler

Meinungsführer im Bereich von Wirtschaft & Management etc.

Die Liste kann beliebig noch verlängert werden. Bitte schreibe uns zurück, für welchen Bereich Du Dich interessierst. Wir helfen Dir dabei, bzw. koordinieren die Besuche, je nach Interessen und Erfahrung. Und halte uns auf alle Fälle am Laufenden, mit wem Du sprichst, was Du so Woche für Woche an Übereinstimmung kreierst!                                    

Wir erschaffen eine neue Zivilisation…

Jeder kann etwas tun, und bald werden wir schon unsere Ideale Org & Celebrity Centre in Wien haben! Melde Dich bei mir oder bei xxxxxxxx [Name einer Scientology-Mitarbeiterin] unter xxxxxxxxxxxx [E-Mailadresse] oder xxxxxxxxxxxx [E-Mailadresse]! Mit ARK, xxxxxxxxxxxxxxxx, xxxxxxxxxx [Name einer Scientology-Mitarbeiterin](4)

 

 

Meinungsmache in Österreich 1

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Meinungsmache in Österreich 4JPG

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Screenshots oben- Auszug aus der geleakten E-Mail

 

 

Verwendete Quellen:

(1) iw, der Standard.at, 29.8.2012: Scientology Österreich klagt gegen Verbreitung von Anonymous-Leaks. Scientologys Versuch, die Veröffentlichung der Mails durch Wilfried Handl zu unterbinden, ist gescheitert.
(2) Anonymous Board Austria: http://www.anonamegame.net/forum/thread-815.html
(3) Kronen Zeitung .at http://www.krone.at/Oesterreich/Wien_Scientology-Aussteiger_erreicht_in_Prozess_Vergleich-Gehackte_E-Mails-Story-357038

(4) Geleakte E-Mail SO-Österreich: http://de.scribd.com/doc/221755278/Scientology-Osterreich-Mailanhang-PR-Area-Control

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