Der Geheimdienst der Scientology-Organisation „Office of Special Affairs“ (OSA)

Aufklärungsgruppe Krokodil

Jörg Stolzenberger

Eingestellt 22.12.2015

 

 

Der nachfolgende Film von Frank Nordhausen und Markus Thöß zeigt, wie der Geheimdienst der Scientology-Organisation funktioniert.

Auch in Deutschland sind Scientology-Kritiker nicht sicher vor Nachstellungen der Scientology-Agenten.

Sehen Sie hier, wie die Mülltonne von dem scientology-kritischen Rechtsanwalt Ingo Heinemann durchschnüffelt wurde, wie dem Scientology-Aussteiger Gerry Armstrong zusammen mit Pfarrer Gandow auf der Autobahn in Brandenburg nachgestellt wurde und wie Ursula Caberta „behandelt“ wurde.

 

 

 

Das Landesamt für Verfassungsschutz Baden-Württemberg hat zum Netzwerk des         „Office of Special Affairs“ und der Unterabteilung des scientologischen Geheimdienstes „Departement for Special Affairs“ (Büro für Spezielle Angelegenheiten) folgenden Hintergrund deffiniert:

 

Scientology-Organisation | „Office of Special Affairs“ (OSA)

Die SO baute in den 60er Jahren einen eigenen Geheimdienst, das „Guardian Office“ (GO) auf. Es wurde als „Ermittlungsabteilung“ im Jahr 1966 gegründet.                                           An der Spitze wurde der „Guardian“ (Wächter) installiert. Der erste „Guardian“ war Marie Sue HUBBARD, die dritte Ehefrau des SO-Gründers.                                                                     Der Posten wurde schnell zu einer eigenen Organisation, dem GO ausgebaut.

Da das GO in den 70er Jahren schwere Straftaten wie zum Beispiel Einbruch in Regierungsstellen und Diebstahl beging, sah sich die SO nach deren Aufdeckung gezwungen, es aufzulösen. Als Nachfolgeorganisation wurde das „Office of Special Affairs“ (OSA) gegründet. Die Hauptaufgabe des OSA ist die Bekämpfung von Kritikern und ihre Abklärung mit geheimdienstlichen Mitteln.                                                          OSA-Direktiven und -Dokumente sowie bisher gewonnene Erkenntnisse von grundsätzlicher Aussagekraft über die Tätigkeit des OSA ergeben das Profil eines geheimen Nachrichtendienstes, der zu ernst zu nehmenden Aktionen in der Lage ist.

Netzwerk des OSA.

Das OSA unterscheidet zwischen offener und verdeckter Informationsbeschaffung.           Zur Ersteren gehören die Erhebung von Vereins- oder Handelsregisterunterlagen oder eine systematische Medienauswertung.

Im Jahre 1998 bekannt gewordene Dokumente aus der ersten Hälfte der 90er Jahre zeigen auf, dass Rundfunkinterviews teilweise wörtlich protokolliert und Presseartikel dergestalt ausgewertet wurden, dass die Erfassung dort genannter Personen und Institutionen listenmäßig erfolgte.

Die Listen wurden zusammen mit den jeweiligen Berichten kopiert und als Mehrfertigung dem entsprechenden Dossier über die Person beziehungsweise Institution angeschlossen. Die Querverweislisten („x-filing sheets“) lassen den Schluss zu, dass das OSA in erheblichem Umfang Informationen über Kritiker und Gegner gesammelt hat.

Zur offenen Datensammlung gehörte auch der gezielte Besuch von Kritikerveranstaltungen. Teilweise wurden detaillierte Anweisungen gegeben, wie sich der einzelne Scientologe dabei verhalten soll. Anschließend werden Protokolle über den Veranstaltungsverlauf gefertigt.

Zur verdeckten Informationsbeschaffung gehört die Legendierung, wobei OSA-Angehörige wiederholt als „Journalisten“ aufgetreten sind.

In der ersten Hälfte der 90er Jahre erging eine Anweisung, durch Befragung einen SO-Kritiker auszuforschen, wobei sich die handelnde Person als ehemaliger Schüler der Zielperson ausgeben sollte.

Eine andere Methode ist die „Mülleimeraktion“, bei der im Abfall der Kritiker oder Gegner nach „belastendem Material“ gesucht wird. Ein hochrangiger OSA-Funktionär räumte in einem Interview ein, dass die SO in den USA über ihre Anwälte „in hier üblicher Weise Privatdetektive anheuern“ würde, „um Anschuldigungen gegen uns zu entkräften oder unsere Klagen zu untermauern“. Seines Wissens geschehe dies aber nicht in Deutschland. Im Jahre 2001 wurde jedoch ein Dokument bekannt, demzufolge das OSA auch schon in Deutschland Kontakt zu einem Privatdetektiv gesucht hat.

Im Herbst 2000 besuchte ein prominenter Scientology-Kritiker Deutschland.

Er wurde nach Erkenntnissen der Hamburger Verfassungsschutzbehörde von einem Observanten aus den USA verfolgt.

Im Januar 2003 verfolgte ein Scientologe das Fahrzeug eines kirchlichen Sektenbeauftragten, in dem sich ein hochrangiger Scientology-Aussteiger befand.               Nach Angaben des Sektenbeauftragten wurden die Fahrzeuginsassen von dem Scientologen auf der Autobahn massiv bedrängt und fotografiert.

Der Betroffene rief die Polizei um Hilfe und stellte Strafanzeige.                                            Die ganze Aktion dürfte in Zusammenhang mit einer Taktik stehen, die das OSA „harassment“ (Verfolgung, Belästigung, Schikane) nennt und die der Zermürbung von Kritikern dient. (1)

 

Scientology-Kritikern und anderen kritischen Organisationen wird oft nachgesagt, unbegründete Furcht vor einer Unterwanderung oder vor einer Infiltration von Scientologen zu haben. Man sieht getroffene Vorsichtsmassnahmen von Kritikern oftmals als Überreaktion an oder unterstellt diese als Wichtigtuerei.

Dabei beruhen solche Vorsichtsmassnahmen keinesfalls nur auf den Hirngespinsten von Kritikern, wie auch das, hier nachfolgend aufgezeigte, Beispiel beweist.

Bereits im Jahre 1988 war die Eltern- und Betroffeneninitiative EBIS e.V. Baden-Württemberg das Ziel einer konspirativen Infiltration der Scientology.

Aus einem Schreiben der „Scientology Kirche Deutschland e.V.“, Beichstraße 12, München, vom 01.01.1988, von Richard Eisenböck an Heribert Nonnen „c/o Scientology Mission Karlsruhe“ Kaiserallee 36, Karlsruhe, geht folgender Sachverhalt hervor:

„Betr.: EBIS e.V. Lieber Heribert, in der Anlage findest Du das Blatt mit der Selbstdarstellung der EBIS, das mir über Rita Stockhausen zugeschickt worden ist. Wie ich Dir schon am Telefon sagte wäre es für mich von höchstem Interesse, zu wissen, was dieser Verein in Bezug auf Scn plant, welche Leute dort das Sagen haben usw. Zu diesem Zweck wäre es sicherlich am Besten, wenn jemand von uns Mitglied werden würde. Mitgliedsbeitrag würde von mir übernommen werden. Schreib mir doch einfach, wie es dabei mit deiner Mithilfe ausschaut, eventuell kennst Du jemanden, von dem Du weißt, daß er auch mitmachen würde. Liebe Grüße Richard Eisenböck.“

 

Unterwanderung EBISLest hier noch einmal meinen Bericht aus dem Jahr 2005 in pdf-Format:

 

UnterwSci

UNTERWANDERUNG DER EBIS E.V.

 

 

 

 

Quellen:

(1) http://www.verfassungsschutz-bw.de/,Lde/Startseite/Arbeitsfelder/Office+of+Special+Affairs

(2) Schreiben von der Scientology Kirche Deutschland e.V. vom 01.01.1988, RichardEisenböck, an Heribert Nonnen von der Scientology Mission Karlsruhe.

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