Sektenführer der Ramtha-Gruppe Lichtoase, welcher wegen sexuellen Missbrauchs eines 13-jährigen Mädchens gesucht wurde, wird nicht ausgeliefert.

Ein Bericht durch
Jörg Stolzenberger
Aufklärungsgruppe Krokodil
Oktober 2015

Lea Saskia Laasner Vogt, geb. 1980 in Winterthur, ist eine Schweizer Autorin.
Sie wurde durch ihr Bestseller-Buch „Allein gegen die Seelenfänger“, das sie 2005 mit Hilfe Hugo Stamms publizierte, bekannt. (1)

 

Bestseller-Allein-gegen-die-SeelenfaengerLea Saskia Laasner war 12 Jahre alt, als ihre esoterisch interessierte Mutter ihren zunächst widerstrebenden Vater veranlasste, Geschäft und Haus zu verkaufen, den Erlös von 1 Million Schweizer Franken an die Ramtha-Gruppe zu überweisen und sich dieser anzuschließen.
Mit 13 Jahren wurde Lea die geliebte des Sektenführers „Benno“ und in den folgenden acht Jahren immer wieder Opfer seiner sexuellen Übergriffe und äußerst sadistischer Sexualpraktiken. Schutz von den Eltern konnte sie längst nicht mehr erwarten, denn die Bindungen waren von „Benno“ und deren Medium „Janet“ und der durch sie erzeugten Gruppendynamik längst zerstört worden, was dazu führte, dass Leas Vater nicht einmal protestierte, als er in die Entjungferung seiner Kinder (Leas Bruder wurde von Janet missbraucht) buchstäblich hineinplatzte.
Lea reagierte auf das schier unerträgliche Klima ständigen Terrors und Missbrauchs und des kollektiven Wahns, in dem sich die Gruppe befand, mit Bulimie, konnte sich aber stets einen ungebrochenen Kern und einen starken Freiheitsdrang bewahren. Mit Hilfe eines belizianischen Polizisten, in den sie sich verliebt hatte, gelang ihr schließlich die Flucht von der sekteneigenen Farm und nach einiger Zeit kehrte sie in die Schweiz zurück, wo sie von Verwandten aufgenommen wurde.

Sie kam in Kontakt mit dem Sektenexperten Hugo Stamm, der ihr half, ihre Geschichte als Buch zu veröffentlichen und auf diesem Wege auch ein Stück weit zu verarbeiten.

In dem Buch schildert sie, wie sie mit ihren Eltern, die der Ramtha-Gruppe Licht-Oase beitraten, 1992 von der Schweiz in das Domizil der Sekte in Belize umzieht.                          Auch berichtet sie über das Leben in der Isolation dort und wie sie vom Führer der Sekte, im Buch «Benno» genannt, ab dem 13 Lebensjahr sexuell missbraucht wurde, sowie ihre Flucht aus der Sekte im Jahr 2001.

„Ramtha“

Unter diesem Namen sind zwei sehr unterschiedliche Gruppen bekannt geworden.

1. Der Copyright-Geist der Judith oder Judy Knight. Sie ist eine Psychomarkt-Anbieterin von Esoterik, die ihr Markenzeichen notfalls mit Hilfe der Gerichte verteidigt.

2. Die Nachahmerin Julie Ravell und ihr Organisator Arno Wollensak.                                      Deren Gruppe hat sich zu einer Esoterik-Sekte entwickelt.

Gemeint ist hier n i c h t der Ramtha-Kult der Judith Knight.
Gemeint ist der Ableger der Julie Ravell und des Arno Wollensak.

Die Wortmarke „Ramtha“ Ist beim Deutschen Patent- und Markenamt unter der Registernummer 30533358 anmeldet am 08.06.2005 und eingetragen am 26.01.2006 für die Inhaberin Judy Z. Knight. (2)

Julie Ravell, die als Medium von Arno Wollensak «Benno» auftrat, hatte sich ab 1992 als Medium des Geisteswesens Ramtha (auch Ram-tha) bezeichnet, bis ihr das Führen des Namens in einem österreichischen Gerichtsurteil 1997 des OGH auf Betreiben der Inhaberin des Markenrechts an der Wortmarke Ramtha, JZ Knight, gerichtlich untersagt wurde. (2)
Anschließend nannte sie das von ihr angeblich gechannelte Geistwesen Maghan.                Sie selbst nannte sich im inneren Kreise «die Quelle».

Lea Saskia Laasner hatte nach ihrer Flucht Strafanzeige wegen sexuellen Missbrauchs erstattet. Arno Wollensak und Julie Ravell wurden wegen Missbrauchs angeklagt, er als Täter, sie wegen Beihilfe.
Der Strafprozess sollte beim Landgericht Detmold stattfinden, Aktenzeichen 4 KLs 22 Js 1231/05.
Verhandelt werden sollte am 16./17. April, 26./27. April und 7. Mai 2006.

Eine Untersuchungshaft hatte man offenbar nicht für nötig gehalten, die beiden waren ordnungsgemäß gemeldet.
Die Angeklagten und der Verteidiger hatten ihr Erscheinen vor Gericht zugesagt.
Kurz vor dem Termin kam die Absage ohne Begründung. Es wurde daraufhin Haftbefehl erlassen.

Judy Knight, von der richtigen Ramtha-Gruppe äußerte sich in einer E-Mail zu ihren Kunden und Anhängern über den Lea Laasner-Fall sowie das Buch Laasner/Stamm und den Nachahmern ihrer Gruppe wie folgt (auszugsweise):

„Frau Ravell war der Kopf einer falschen „Ramtha-Sekte“, einer auf Vortäuschung basierenden Gruppe, gegen die JZ Knight 1995 in Österreich ein Gerichtsverfahren anstrengte und die Einstellung der Gruppenaktivitäten erwirkte.                                                                                               1997 befand das österreichische Oberste Gericht, dass Julie Ravell sich fälschlicher Weise als Ramthas Channel ausgab und ordnete die Einstellung ihrer diesbezüglichen Aktivitäten an.                                                                         Frau Ravell bezahlte weder ihre Gerichtskosten, noch führte sie den vom Gericht verordneten öffentlichen Widerruf durch.                                                Offenbar zog sie mit ihrer Gruppe erst nach Portugal und dann nach Belize in Zentralamerika….
Julie Ravell verstieß gegen diese Gerichtsverordnung, indem sie erneut Ramthas Identität stahl. Ramtha wird nun irrtümlicherweise mit den Verbrechen Julie Ravells und ihrer Anhänger in Verbindung gebracht.         Keine der gegen Frau Ravell vorgebrachten Anschuldigungen hat auch nur das Geringste mit JZ Knight, Ramtha oder Ramthas Schule der Erleuchtung zu tun.“ (3)

 

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Bild oben: Auszug aus der E-Mail /Posting von Judy Knight

 

Die Sekte der Nachahmer hatte sich in Belize in Südamerika niedergelassen.
Sie wurde durch das Buch „Allein gegen die Seelenfänger“ einer breiten Öffentlichkeit bekannt.

Laasner erhielt 2005 den Prix Courage für ihr mutiges Auftreten in der Öffentlichkeit.  Von einer Cousine in der Schweiz aufgenommen und betreut, konnte sie eine dreijährige Ausbildung an einer Handelsfachschule absolvieren.

Die Zielfahndung des Bundeskriminalamtes (BKA) konnte daraufhin einen weiteren Erfolg verbuchen. Am 11.06.2015 hat sie in Uruguay, gemeinsam mit der dortigen Polizei, zwei führende Mitglieder der Sekte „Lichtoase“ festgenommen.
Der 60-jährige Sektengründer und die 59-jährige Frau, das „Medium“ der Sekte, waren seit 2007 auf der Flucht.

 

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Die Abbildungen stammen aus der TV-Sendung Aspekte vom 4.3.2005.

 

Das BKA übernahm am 02.04.2014 den Fall von der zuständigen Staatsanwaltschaft Detmold, die dem Sektengründer vorwirft, im Jahr 1994 das 13-jährige Kind zweier Sektenmitglieder sexuell schwer missbraucht zu haben.                                                           Der Missbrauch fand über einen Zeitraum von mehreren Monaten in Bayern und Portugal statt. Seine Komplizin soll Beihilfe geleistet haben.

Die Zielfahndung des BKA wurde eingeschaltet, da sich die Spur der beiden Gesuchten in Südamerika verlief. Die beiden Flüchtigen und auch ihre Fluchthelfer verhielten sich äußerst konspirativ.

Nach umfangreichen Fahndungsmaßnahmen, die in enger Zusammenarbeit mit den Behörden in Montevideo und dem Verbindungsbeamten des BKA in Buenos Aires/Argentinien erfolgten, wurden die Gesuchten auf einem durch Sektenmitglieder finanzierten Anwesen in Uruguay aufgespürt und festgenommen.

Beide wurden am 12.06.2015 dem Haftrichter in Montevideo vorgeführt, die Auslieferung nach Deutschland wurde vorbereitet.

„Unsere Zielfahndung ist weltweit unterwegs und dank der guten internationalen Zusammenarbeit bestens vernetzt“, sagte BKA-Präsident Holger Münch.                            „Es gibt auf der Welt deshalb kein wirklich sicheres Versteck“.

Bei ihrer Arbeit werden die Zielfahnder von weltweit 68 Verbindungsbeamten des BKA unterstützt, die in 151 Staaten tätig sind. (4)

 

BKA Licht Oase

 

 

 

 

 

 

Bild oben: Auszug vondem Bericht des Bundeskriminalamt über die Festnahme der Täter.

 

Im Juli 2015 wurde bekannt:

Die führenden Mitglieder der Sekte „Lichtoase“ werden von Uruguay nicht ausgeliefert. Das hat das dortige Obere Strafgericht entschieden.
Begründung ist, dass die Taten verjährt seien. (5)

 

WDR Lichtoase 15.10.2015

 

 

 

 

 

 

 

Bild oben: Auszug aus dem WDR-Beitrag „Sektenmitglieder werden nicht ausgeliefert.

 

Quellen:

(1) Allein gegen die Seelenfänger. Meine Kindheit in der Psycho-Sekte. Aufgezeichnet von Hugo Stamm. Eichborn, Frankfurt am Main 2005, ISBN 3-8218-5619-X.
(2) https://de.wikipedia.org/wiki/Lea_Saskia_Laasner und AGPF unter: http://www.agpf.de/Ramtha.htm#2Ramthas
(3) Aus: http://ramtha.com/email/03-05-05_important/message_German.html
(4) Zielfahndungserfolg des Bundeskriminalamtes – Festnahme von zwei deutschen Staatsangehörigen in Uruguay / 02.07.2015 unter: http://www.bka.de/DE/Presse/Pressemitteilungen/Presse2015/150702__ZielfahndungserfolgUruquay.html
(5) WDR http://www1.wdr.de/studio/bielefeld/nrwinfos/nachrichten/studios142588.html
Sektenmitglieder werden nicht ausgeliefert: 1.7.2015 (17.40 Uhr)

 

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