Die „Nigeria-Connection“

Warnung vor der „Nigeria-Connection“

von Jörg Stolzenberger (11/2003 – aktualisiert 11/2007)

Zu den trickreichen Betrügern, die per E-Mail, Fax oder Brief lukrative Geschäfte mit dem Ziel anbieten, von den Opfern finanzielle Vorleistungen zu erlangen, um angeblich eine enorm hohe Summe aus dem Ausland nach Deutschland transferieren zu können, zählt die sogenannte „Nigeria Connection“. Für die Mithilfe an dem angeblichen Geldtransfer versprechen die Betrüger eine bedeutende Gewinnbeteiligung.

Eigentlich stimmt der Name „Nigeria Connection“ nicht mehr, denn inzwischen treten mit der gleichen Masche auch, neben Nigeria, weitere afrikanische Staaten wie Togo, Ghana, Sierra Leone, die Elfenbeinküste und Südafrika auf, aus denen solche zwielichtigen Angebote kommen.

Etwa seit 1990 erhalten deutsche Firmen, Behörden und Privatpersonen solche „lukrativen“ Angebote. Auch der Innenminister von Baden-Württemberg, Dr. Thomas Schäuble, erhielt ein „extremely vertrauliches“ Angebot für ein angebliches Millionengeschäft von einem „Dr. Ola Jenkins“, der sich als Finanzdirektor der „Nigerian Telekommunikation (NITEL) PLC“ ausgab.

Den Mitwirkenden wird als Belohnung, vom transferierten Gesamtbetrag, bis zu dreißig Prozent Gewinnbeteiligung versprochen. Die angeblichen Gewinnsummen sind unterschiedlich und liegen zwischen 20 und 45 Millionen US-Dollar, denn die Transfergelder, so wird geschrieben, sollen sich im Umfang von 240 Millionen US-Dollar bewegen. Auch in dem Schreiben, dass an den Innenminister gerichtet war, sollten 240 Millionen US-Dollar transferiert werden und dafür sollte der Innenminister ein Bankkonto einrichten. 25 Prozent der Summe als Provision, so wurde versprochen, würde er dann erhalten.

Das Innenministerium nahm diesen Fall zum Anlass, um wieder einmal vor den Betrügern öffentlich zu warnen (Pressemitteilung vom 30.08.2002).

Märchenhaft klingt, woher diese angeblich hohen Vermögenswerte, die im Ausland liegen, kommen sollen. Es ist die Rede vom unverhofft aufgetauchten „Familienschatz“ oder einer „Erbschaft“. Sehr oft werden aber auch tatsächliche Begebenheiten wie: politische und gesellschaftliche Veränderungen oder Naturkatastrophen und Flugzeugabstürze geschickt in die Legenden eingeflochten, so dass für den Leser der Eindruck erweckt wird, der Sachverhalt ist glaubhaft. Bekundet jemand sein Interesse an dem angebotenen Geschäft, erhält er per Telefax oder auch E-Mail zahlreiche offiziell aussehende Schreiben der „Central Bank of Nigeria“ oder der „Nigerian National Petroleum Corporation“ (NNPC) oder anderer, meist fiktiver Behörden, in denen er als Empfänger der Millionensumme eingetragen ist.

Die angebliche Freigabe der Gelder wird anschließend durch unterschiedliche Phantasiebehörden wie z.B. „The Presidency- Debt Reconciliation Committee“, oder „The Foreign Payment Office“ oder dem „Debt Management Department“ oder sogar der „Central Bank of Nigeria – Department of Foreign Operation“, bestätigt.

Zunächst einmal jedoch wollen die angeblich so reichen Hintermänner Geld sehen!

Vor der Auszahlung werden nämlich in allen Fällen angebliche Provisions-, Verwaltungs-, Bearbeitungs- oder Versicherungsgebühren fällig, die der deutsche Geschäftspartner zu zahlen hat. Erst wenn diese Zahlungen geleistet sind, so wird es dargestellt, ist es möglich, die Millionen auf dessen Konto zu überweisen. Zahlt der Interessierte, so verzögern sich die Zahlungen weiter. Es werden verschiedene Geschichten aufgebaut, die den „Geschäftspartner“ in Deutschland zu weiteren Zahlungen veranlassen sollen. Erst dann, so wird versprochen, sind alle Schwierigkeiten beseitigt und das Geld kann fließen. In weiteren Fällen wird schließlich auch damit gedroht, dass mit dem vorzeitigen Ende der Zahlungen ein Verlust der Millionen-Gelder eintritt.

Das ist das zentrale und eigentliche Geschäftsgebahren der Betrüger: Dem Interessenten soviel Geld wie möglich aus der Tasche zu ziehen.

Es war auch schon so, dass die Geschäftspartner zur Übergabe des Geldes zu „persönliche Treffen“ im europäischen Ausland, bevorzugt London und Amsterdam, gelockt wurden. Seriös gekleidete Herren präsentierten dann einen Koffer mit schwarz eingefärbten angeblichen Dollarnoten, die nur mittels einer teuren Chemikalie wieder gereinigt werden könnten. Dem Geschäftspartner wurde dann nahe gelegt wiederum Geld für die „Geldbleiche“ locker zu machen.

Die Betrogenen sehen kein Geld! Lässt man sich auf einen solchen „Deal“ ein, wird man finanziell gerupft wie eine Weihnachtsgans.

Die „Waiblinger Kreiszeitung“ des Zeitungsverlages Waiblingen (ZVW) berichtete am 05.11.2003 unter der Überschrift „E-Mail-Betrug: 30.000 Euro weg. Nigeria-Connection schlägt zu“, von solch einem Fall: Ein Stuttgarter Ehepaar hatte an die Betrüger 30.000 Euro verloren. Ihnen flatterte Mitte August 2003 eine E-Mail ins Haus. Diese erhielt den angeblichen Hilferuf einer Frau aus der afrikanischen Republik Benin. Es wurde der angebliche Unfalltod ihres Mannes geschildert und davon geschrieben, dass nun das gemeinsame Vermögen in Sicherheit gebracht werden sollte. Für diese Transaktion brauchte man aber einen Mittelsmann in Deutschland. 1,5 Millionen US-Dollar, ein Zehntel der Gesamtsumme, wurde diesem als Anteil versprochen.

Nach anfänglicher Skepsis willigten die Stuttgarter ein und stellten sich als „Geschäftspartner“ zur Verfügung. Es folgten zahlreiche Telefonate, zwei Treffen in Amsterdam, von den Stuttgartern geleistete Zahlungen von insgesamt 30.000 Euro und die Aufforderung weitere 400.000 US-Dollar zahlen zu sollen. Nachdem diese nicht geleistet wurden, hatte sich das „Geschäft“ für die Betrüger erledigt und sie waren nicht mehr erreichbar.

Wie mit solchen Angeboten umzugehen ist:

    • Antworten Sie erst gar nicht auf solche oder ähnliche Angebote. Ihre E-Mail-Adresse oder Postadresse oder auch mitgeteilte Bankverbindungsdaten könnten für weitere kriminelle Taten missbraucht werden.
    • Machen Sie sich klar, dass es den „Traum vom schnellen Geldsegen“ auf diese Weise nicht gibt. Sie sparen sich jede Menge an „Lehr-Geld“!
    • Erheben Sie das „Angebot“ und leiten Sie es, zur Kenntnis, an die, für ihren Wohnort zuständige Polizeidienststelle weiter. Das Landeskriminalamt Baden-Württemberg in Stuttgart beschäftigt sich schon lange Zeit mit der Verfolgung solcher Straftaten und hat schon tausende ähnlicher Schreiben vorliegen. Oder löschen Sie einfach die E-Mail oder werfen Sie ein Anschreiben in den Papierkorb.
    • Erwarten Sie nicht, dass gerade ihr „Angebot“ dazu geeignet ist die Betrüger dingfest zu machen. Es sind fiktive Personennamen, Firmenadressen u.ä. in diesen Schreiben enthalten. Betrüger agieren aus dem Ausland und unter Briefkasten-Adressen. Die dargestellten Telefonverbindungen (meist Handy-Verbindungen) sind schnell ausgetauscht. All dies macht die Ermittlungen besonders schwierig.
  • Sollten Sie bereits, aufgrund eines solchen „Geschäftes“ Zahlungen geleistet haben und sich betrügerisch geschädigt fühlen, erstatten Sie Strafanzeige bei ihrer örtlichen Polizeidienststelle. Wichtig in diesem Fall ist es, dass sie zur Anzeigenaufnahme alle Dokumente/Schriftverkehr mit der „Connection“ vorlegen.

Nigeria-Connection und kein Ende:
Angeblich wieder mal 12 Millionen 500 Tausend Dollar zu vergeben! (pdf)

Nigeria-Connection:
Zwei kleine Fische verurteilt (pdf)

Nigeria-Connection:
Das 15 Millionen Dollar-Angebot an die Aufklärungsgruppe Krokodil (pdf)

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